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„Rotes Kaninchen, weißes Kaninchen“ von Nassim Soleimanpour in Trier

Theater : Eine Aufführung ohne Proben

„Rotes Kaninchen, weißes Kaninchen“ von Nassim Soleimanpour kommt nach Trier.

Außer der Regisseurin Joya Ghosh kennt niemand den Text des Stückes „Rotes Kaninchen, weißes Kaninchen“ des Exil-Iraners Nassim Soleimanpour, nicht der Hauptdarsteller, nicht die an der Produktion Beteiligten und natürlich auch nicht das Publikum. Man wird sogar dazu angehalten, sich keine Informationen über den Text zu verschaffen, zum Beispiel übers Internet. So sollen Darsteller und Zuschauer denselben Informationsstand haben und zusammen auf eine spannende Reise ins Ungewisse gehen.

Es geht in dem Theaterstück um Macht, Manipulation und Unterdrückung, Themen, die Jörg Harald Werron, dem in Saarbrücken geborenen Schauspieler, Sprecher und Theaterpädagogen besonders nahe sind. „In letzter Zeit nehme ich bewusster als früher wahr, dass Macht und Machtmissbrauch in zunehmendem Maße in der Welt herrschen“, sagt er. „Als Theatermacher und vor allem auch als Seelsorger im Zweitberuf erhebe ich meine Stimme, wenn ich von Ungerechtigkeiten erfahre.“ Daher identifiziere er sich in besonderem Maße mit der Thematik des Stückes.

Werron bekommt direkt vor der Aufführung einen 30-seitigen, versiegelten Brief zugesteckt. Nur mit den kargen Informationen, die er vor dem Spiel und durch Regieanweisungen des Autors im Text selbst erhält, soll er Inhalt und Aussage des Briefs improvisierend darstellen.

„Trotz einer kaum vorhersehbaren, spontanen Umsetzung seines Textes hat Soleimanpour aber eine klare Vorstellung davon, was auf der Bühne benötigt wird und wie das Stück zu inszenieren ist“, sagt Ghosh. So soll dem Darsteller vorher der Hinweis gegeben werden, dass er bestimmte Figuren zu verkörpern habe, zum Beispiel einen Flamingo oder einen Bär. Weitere Hinweise zum Improvisieren wird Werron im Verlauf des Textes in den Regieanweisungen erhalten.

Die Regisseurin beschäftigt sich seit zwei Jahren mit einer möglichen Aufführung des Stückes, seit sie eine Vorstellung in Düsseldorf gesehen hatte. Dort wurde das Theaterstück sieben Mal mit verschiedenen Schauspielern gespielt. Klar war damit erst einmal, dass sie selber die Hauptrolle bei einer zukünftigen Inszenierung nicht mehr spielen konnte. Sie fand dann nach längerer Suche Werron, den sie als Schauspielkollegen kannte. „Für die Inszenierung eines solch ungewöhnlichen Stückes muss man großes Vertrauen ineinander haben“, sagt Ghosh, „und das haben wir.“

Auch Autor Soleimanpour selbst weiß nicht, wie sein Text umgesetzt wird. Er behält sich aber vor, dass man ihm einen Platz freihält, wenn er unangekündigt bei einer Aufführung erscheint.

Es ist also nicht ausgeschlossen, dass der Autor bei der Trierer Inszenierung anwesend sein wird.

„Joya Ghosh and friends“ präsentieren das Einpersonenstück „Rotes Kaninchen, weißes Kaninchen“ des Exil-Iraners Nassim Soleimanpour am Sonntag, 27. September, um 18 Uhr im Kasino am Kornmarkt in Trier. Inszenierung: Joya Ghosh. Es spielt: Jörg Harald Werron. Karten gibt es zu 20.55 Euro über www.ticket-regional.de, jgfreunde@gmail.com oder unter Telefon 0176/45815845.