Rotzfreche Halbwahrheiten

Rotzfreche Halbwahrheiten

Mit "gefährlichen Halbwahrheiten" stieg Oliver Pocher am Montag in der Trierer Europa-halle in den Ring, um die Zu-schauer einmal richtig aufzu-mischen. Die Halle war ausver-kauft, das Publikum in super Stimmung.

Trier. Die Bühne ähnelt einem Boxring. Kein Wunder also, dass der rotzfreche Comedian Oliver Pocher im Publikum badend, mitten durch den Saal laufend, seinen Ring betritt. Dort will er dem Publikum "gefährliches Halbwissen", das ist der Name seines neuen Programms, vermitteln. Als Erstes startet er mit einem Rundumschlag gegen die Presse. Dabei fragte er offensiv die anwesenden Reporter. Doch er hat nicht mit der Schlagfertigkeit einer Kollegin gerechnet, die ihm erläuterte, wozu ein Zungenpiercing taugt. Der verbale Schlagabtausch endet schließlich unentschieden, das Publikum jubelt. Dann schäkert Pocher mit Dagmar Weitemeyer, 65, und Anna Littwin, 76, die er später noch "die süßen Mäuse aus der zweiten Reihe" taufen wird.

Überraschungsgast: Danilo Marchi



Spontan lädt er auf Empfehlung eines Zuschauers dessen Vater als Überraschungsgast ein. Auserwählt wird Danilo Marchi, der vorher noch seine Frau vom Yoga abholen muss. Pocher ruft ihn ganz ungeniert live an: "Hallo, hast Du schon Deine Alte vom Yoga abgeholt? Wir wollen dich spontan hierher einladen." Danilo sagt zu und darf schließlich mit seiner Frau die Show sehen. Schon geht es weiter mit Halbwahrheiten aller Art. Pocher fragt sich, ob im Himmel wirklich siebzig Jungfrauen auf selbstmörderische Terroristen warten. "Wer schonmal mit einer Jungfrau was hatte, weiß, dass das kein Vergnügen ist", stellt er schmunzelnd fest. Auch für die strengen Kontrollen im Flugzeug hat er kein Verständnis, denn weder Flüssigkeiten noch Schminke seien erlaubt, und sogar die Flip Flops müsse man ausziehen. "Klar, das sind Killer-Flip Flops", macht er sich lustig.

In seiner Show gibt es unzählige Highlights, ob er nun von seinem einjährigen Freizeitpark-Verbot wegen Übertretens einer "kleinen gelben Plastikkette" erzählt oder die verschiedenen Nationen bei der Fußball-EM auf die Schippe nimmt. Als Zauberer Morta Deller parodiert Pocher die Uri Geller-Show zum Schreien komisch. "Ich bin Illusionist, aber auch Pessimist, und ich bin in der IG Mental", stellt er sich vor. Die Zuschauer können sich kaum noch halten vor Lachen, weil seine Tricks so schlecht sind, dass sie schon wieder schreiend komisch wirken. So auch sein Rabe "Chicken", der sich als nackiges Suppenhuhn entpuppt. Zum Schluss singt Pocher: "Heute reicht es, Vollidiot zu sein. Die Klappe groß, der Penis klein."

Nach jubelndem Applaus und Zugaben gibt Pocher noch Autogramme. Dagmar Weitemeyer, 65, ist nach der Show sichtlich angetan: "Ich mag den Pocher unheimlich. Der ist so frech und richtig frei raus." Anna Littwin, 76, sagt: "Wir haben ihn zum ersten Mal live gesehen. Der hält uns jung. Er ist ein richtiger Witzbold."