Rückkehr an die Mosel: Thomas Thielen alias t spielt in der Tufa Trier

Trier : Rockmusiker Thomas Thielen: Ein Szene-Star unter dem Radar - Konzert in der alten Heimat Trier

Rockmusiker Thomas Thielen, genannt „t“, hat weltweit Fans und begeisterte Kritiker – sie lieben die komplexen, anspruchsvollen Alben. Am 23. November spielt der gebürtige Prümer zum ersten Mal mit Band in der alten Heimat Trier.

Das erste große Open Air mit der neuen Band ist gleich mal eine Ansage. Juli 2019: Da ist die berühmte Location – die Freilichtbühne Loreley. Dazu 12 000 Zuschauer beim „Night of the Prog“-Festival, von denen die allermeisten schon vorher wissen, was sie unter dem Namen „t“ erwartet: Intelligenter Rock, fantasievoller Indie, Prog-Rock mit bis ins Detail ausgearbeitetem Konzept. Dafür steht „t“, dahinter steckt Multi-Instrumentalist Thomas Thielen. Er ist in diesem Bereich eine Größe, hat Fans auf der ganzen Welt und wird von Musikmagazinen wie dem „Eclipsed“ verehrt. Aber die Szene ist nicht allzu groß. So schätzt der 43-Jährige, dass „mindestens 99,98 Prozent der TV-Leser“ noch nie von ihm gehört haben: „Ich fühle mich aber wohl unter dem Radar.“

Und das, obwohl er ein echtes Kind der Region ist. Geboren in Prüm, Abi in Gerolstein, dann viele Jahre in Trier: Thomas Thielen studierte klassische Philologie und Anglistik, schrieb seine Dissertation an der Uni über Ovids Metamorphosen. Am Hindenburg-Gymnasium (heute: Humboldt-Gymnasium) machte er sein Referendariat. Dann zog es ihn nach Niedersachsen, wo er heute noch mit seiner Familie lebt. „Mit Trier habe ich noch eine Rechnung offen“, sagt er vor seiner Rückkehr – und dem Auftritt am 23. November. Das mit der „Rechnung“ meint er positiv. „Das ist für einen Ex-Eifeler eine große Sache, im großen Saal der Tufa zu spielen.“ Dichte, melancholische, atmosphärische Stücke verspricht er, „fast schon Kammermusik“. Deshalb werde die Tufa auch bestuhlt sein. Als weitere Band spielt Crystal Palace. Bei aller Komplexität gilt für Thomas Thielen auch immer: „Ein Song muss immer auch nur mit Piano und Stimme funktionieren, sonst ist es kein guter Song.“

Schon beim Telefonat mit dem TV wuchern die Erinnerungen an die alte Heimat. Etwa an Postmodernismus-Seminare, die ihn zum Überbau für seine Album-Trilogie „Fragmentropy“, „Epistrophobia“ und „Solipsystemology“ inspiriert haben. Thielen spielte alle Instrumente auf den Alben selbst ein. Er erinnert sich, wie er an seinem ersten Uni-Tag in Trier zufällig den Keyboarder kennenlernte, der aktuell in seiner Band spielt, Dominik Hüttermann. Die Tour führt die „fünf Freunde ohne Hund“ (O-Ton Thielen über seine Band) auch in die Niederlande und nach Belgien. Tour-Anfragen gab es sogar aus den USA – das passte in diesem Fall aber nicht. Thielen hat ja neben der Musikleidenschaft einen Hauptberuf: Er ist Lehrer und Lehrerausbilder, zudem „übersetzt“ er die Sprache von Populisten und entlarvt damit – wie er es nennt – „rechten Bullshit“: „Mit Dialektik und Dekonstruktionen lassen sich Populisten wahnsinnig gut auseinander nehmen“.

Thielen verbindet Trier aber längst nicht nur mit der Uni. Er schwärmt von legendären Eintracht-Spielen (nicht nur die Pokalspiele), erinnert sich an eher unakademische Freizeitbeschäftigungen, wie im Palastgarten-Tümpel schwimmen zu wollen („Wir dachten, der wäre tiefer“). Oder an einen schönen Aushilfsjob  – als der Bassist von Heather Nova vor ihrem Konzert im Exhaus kurzfristig ausgefallen ist. „Da bin ich eingesprungen. Ich kannte die Songs alle.“ Seine Kompositionen konnte er in Trier noch nicht präsentieren. Einige Verwandte, Freunde, Bekannte wird er in Trier wohl wiedersehen, die seine Musik noch nicht wirklich kennen – und die „t“-Fans kommen ohnehin.

Lassen sich nach dem Auftritt im Juli 2019 auf der Loreley feiern: Thomas Thielen (Mitte) mit seiner Band. Foto: Thomas Thielen/Alexander Moell

t live und Crystal Palace, 23. November, 20 Uhr, Tufa, großer Saal. Tickets: 0651/7199-996 und bei ticket regional

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