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Runter von der Achterbahn, rein ins Exhaus: Jupiter Jones spielt zum ersten Mal mit neuem Sänger in Trier

Trier/Bitburg. Für die Eifeler Band Jupiter Jones war das Jahr 2014 eine "einzige emotionale Achterbahnfahrt", wie Schlagzeuger Marco Hontheim es nennt: Auf den Sängerwechsel folgten umjubelte Auftritte bei großen Festivals und sehr positive Reaktionen auf die neue Single. Am zweiten Weihnachtstag spielt die Band im alten Lieblingsschuppen - im Exhaus. Andreas Feichtner

Was tun, wenn die Planken unter den Füßen wegbrechen? Wenn sich zwölf Jahre Herzblut, Hoffnung, Leidenschaft in ein bitteres "Es geht nicht mehr" auflösen? Weitermachen, irgendwie? Alles hinwerfen und neu aufbauen?

Das sind Fragen, die Anfang des Jahres so oder so ähnlich Marco Hontheim, Sascha Eigner und Andreas Becker durch Hirn und Herz jagten. Das sind drei Viertel der Eifeler Punkrockband Jupiter Jones, die spätestens seit dem Radiohit "Still" bundesweit bekannt geworden ist. Das andere Viertel hatte sich soeben verabschiedet: Sänger Nicholas Müller, für viele Fans Gesicht und Stimme der Band, leidet seit Jahren an einer Angststörung. Bei den Bandkollegen wächst vor dem Auftritt im Backstageraum die Vorfreude, bei Nicholas die Angst. Irgendwann ging es nicht mehr.

Sein Abschied kam nicht komplett aus dem Off, aber dennoch überraschend für die Bandkollegen. Einen Plan B hatte Jupiter Jones nicht. Nur einen Plan A. Das alte Eifeler Netzwerk, die guten Musikconnections aus dem Prümer Land: Nur Sven Lauer könnte den Job übernehmen, da waren sich Hont und Sascha einig. "Wenn Sven uns abgesagt hätte, hätten wir die Band aufgelöst - da bin ich mir fast sicher", sagt Schlagzeuger Marco Hontheim. "Wir hätten niemanden casten können, das ist weder unser Ding, noch das, was die Fans mit Jupiter Jones verbinden."Stabiler neuer Weg entstanden


Hont kann das beim Treffen in einem Bitburger Café ganz entspannt erzählen. Der Sängerwechsel ist erst ein paar Monate her. Aber wo unter den Zehen der Boden knirschte und splitterte, ist längst ein neuer Weg entstanden, ein stabiler, wie es aussieht. Sven Lauer hat sich bei den großen Festivalauftritten im Sommer vor Zehntausenden Zuschauern bewährt. "Der Schlüssel, warum es funktioniert?", fragt der Schlagzeuger und schiebt die Antwort hinterher: "Sven ist ein völlig anderer Typ. Nicki hat auf der Bühne nicht so viel kommuniziert, er hatte gern die Augen geschlossen. Sven ist das Gegenteil. Er kann aber auch in ruhige Momente abtauchen", sagt Hont, der als Einziger in der Band noch in der Eifel wohnt - in einem alten Bauernhaus im 75-Seelen-Örtchen Uppershausen bei Arzfeld. "Ein direkter Vergleich fällt schwer, das wäre auch unfair."

Die Vagheit, das Ungewisse, sind weg. Die Festivals und auch das umjubelte Heimspiel bei der "Lokalrunde" in Prüm vor 1800 Zuschauern deuteten schon an, dass mit Jupiter Jones auch nach über zwölf Jahren Bandgeschichte zu rechnen ist. Noch wichtiger waren aber die Reaktionen auf den ersten gemeinsam geschriebenen Song mit Sven Lauer am Mikrofon. Jupiter Jones trat bei der zehnten Auflage von Stefan Raabs Länderwettbewerb Bundesvision Song Contest an - und die vier katapultierten ihr Bundesland mit "Plötzlich hält die Welt an" auf Platz zwei, die beste Platzierung aller Zeiten für Rheinland-Pfalz. "Das hat uns emotional total gepackt. Ich habe angefangen zu heulen", berichtet Hont. Schließlich ging es um mehr als um Punkte und Platzierungen. Es ging darum, wie die Zukunftsaussichten für Jupiter Jones sind.

Die Arbeit an neuen Stücken geht weiter. "Wenn alles perfekt läuft, haben wir vor der nächsten Festivalsaison unser nächstes Album fertig. Es ist uns aber bewusst, dass das ein extrem wichtiges Album wird. Die Leute werden kritischer drauf schauen als vorher. Wir werden es erst veröffentlichen, wenn wir total überzeugt sind", kündigt Hont an, der sich vorstellen kann, dass das neue Album eine Spur härter wird.

Wahrscheinlich dürfte es dann Fans und Kritiker geben, die Nickis Stimme oder Texte vermissen werden. Jupiter Jones ist aber Kritik gewohnt, sagt der 40-Jährige. "Wir hatten immer Gegenwind aus allen Richtungen. Unser erstes Album "Raum um Raum" war eine total rohe Punkrock-Platte. Als wir diesen Pfad verlassen haben, weil wir älter wurden und neue Sachen ausprobieren wollten, ist das nicht bei allen gut angekommen", sagt er. "Wenn uns Vorwürfe gemacht werden, können wir uns denen aber sehr gut stellen - weil wir immer unserem Bauch- und Herzgefühl gefolgt sind."
Emotional wird es für die Band auch am 26. Dezember im Exhaus. Die Jahresabschlusskonzerte haben Tradition, Trier stand aber länger nicht auf dem Dezember-Spielplan. Für Hont wird\'s daher ein echtes Highlight am Ende eines bewegten Jahres: "Wir freuen uns tierisch. Wir hatten ja mal im Bunker in Trier-Nord geprobt und hatten im Exhaus unseren ersten Auftritt."Extra

Jupiter Jones: wurde 2002 in der Eifel gegründet +++ probte in Trier, Wittlich und inzwischen in Hamburg (wo Sascha Eigner, Sven Lauer und Andreas "Becks" Becker wohnen) +++ "Becks" ist der einzige Nicht-Eifeler +++ gewann 2012 den Radio-Echo für "Still" +++ brachte 2013 das fünfte Album "Das Gegenteil von Allem" (Sony) heraus. 26. Dezember: Jupiter Jones (Support: Tim Vantol) im Exhaus Trier, 20 Uhr. Karten: TV-Service-Center Trier, Hotline 0651/7199-996, www.volksfreund.de/tickets AF