Sanfte Zumutungen

Die Luxemburger Philharmonie beginnt die Saison eher unspektakulär mit einem Konzert der Solistes Européens. Erst allmählich nimmt das Konzertprogramm im September Fahrt auf.

Luxemburg. Michael Haydn, Mozart, die Zeitgenossen Boumans und Schnittke - der Saisonstart der Luxemburger Philharmonie mit den Solistes Européens unter Christoph König (17. September) ist zweifellos hochinteressant, wenn auch wenig spektakulär. Auch der Titel des ersten Konzerts mit dem Orchestre Philharmonique (OPL), "Tristan goes to India" (21. September), wird Kultur-Kulinariker zweifellos nicht aus ihren Ohrensesseln reißen.
Dabei startet mit diesem Konzert die neue OPL-Reihe "Aventure+". Wobei das Pluszeichen für eine Zusatzveranstaltung steht - in diesem Fall den Auftritt des indischen Tabla-Virtuosen und Komponisten Kuljit Bhamra im Foyer. Ohnehin steht an diesem Tag Anspruchsvollstes auf der musikalischen Agenda: Vorspiel und "Liebestod" aus Wagners "Tristan und Isolde" und Olivier Messiaens monumentale "Turangalila-Sinfonie". Wobei mit Susanna Mälkki (Foto: Philharmonie), Dirigentin des renommierten Ensemble intercontemporaine, auch eine Person ans Pult tritt, die sich auf das 20. Jahrhunderts zweifellos bestens versteht.
Das OPL startet am 28. September außerdem die Reihe "Les grands rendez-vous", die im Wesentlichen einem traditionellen Aboangebot entsprechen dürfte. Wobei Alban Bergs "Sieben frühe Lieder" und Bruckners eher selten gespielte Siebte immer noch den leisen Beiklang des Ungewöhnlichen mitbringen.
Schließlich präsentiert die Philharmonie am selben Tag (28. September) die gleichfalls neue Reihe "2xhören" mit einer eher sanften Zumutung für Traditionshörer. Das Carmina-Quartett spielt Karol Szymanowskis 1. Streichquartett. Der Titel "Keine Angst vor Szymanowski" greift wohl etwas hoch. Etliche Komponisten im 20. Jahrhundert dürften die Hörer heftiger verschrecken.
Zum Monatsende (29. September) sorgt dann das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Andris Nelsons (Foto: dpa) für Klangfülle im Großen Saal. Wobei das Programm eine deutlich größere Zumutung darstellt als das Szymanowski-Streichquartett: Bei Schönbergs "Überlebendem von Warschau", den späten Streicher-Metamorphosen von Richard Strauss und Joseph Haydns Nelson-Messe, ist die Kriegsnähe mitkomponiert: Musik über die Opfer der Nazi-Gewalt, über die Erschütterung bildungsbürgerlicher Kultur durch den Zweiten Weltkrieg und bei Haydn die Hoffnung auf Rettung vor Napoleon.
Karten gibt es telefonisch unter 00352/26322632 sowie im Internet über die Homepage der Philharmonie: www. philharmonie.lu