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Sanierung des Theaters: Der Vorhang zu und alle Fragen offen

Sanierung des Theaters: Der Vorhang zu und alle Fragen offen

Es wird eine Operation am offenen Herzen: Die unvermeidliche Grundsanierung oder der Neubau des Trierer Theaters bedeuten eine Zäsur für das Haus und seine jährlich 100 000 Besucher. Klar ist: Es geht nicht weiter wie bisher. Aber wann der Vorhang fällt und wo er sich wieder öffnet, steht derzeit noch in den Sternen.

Trier. Als die drei Kandidaten für das Trierer Oberbürgermeisteramt letzte Woche an der Uni erstmals zur Diskussion zusammentrafen, sahen sie sich gleich mehrfach mit der Gretchenfrage konfrontiert. "Wie hältst du es mit dem Theater?", wollten viele wissen. Es gab im Kern drei Mal die gleiche Antwort: Eine Stadt wie Trier mit einem entsprechenden Umland könne auf ein Ensemble-Theater dieses Zuschnitts und dieser Größe unmöglich verzichten.
Nun könnte es den Bewerbern schneller als erwartet passieren, dass sie ihr wohlfeiles Bekenntnis mit konkreten Zahlen untermauern müssen. Denn der Druck, die Weichen für die Zukunft des Gebäudes zu stellen, wächst.
Das hat einerseits damit zu tun, dass das marode 1960er-Jahre-Gebäude samt seinen überalterten technischen Anlagen permanent am Abgrund einer Schließung steht. Und andererseits damit, dass der designierte Intendant Karl Sibelius mächtig Schwung in die seit Jahren auf die lange Bank geschobene Baufrage gebracht hat.
Sibelius verspürt wenig Neigung, im Herbst 2015 noch im alten Gebäude anzufangen, wenn absehbar ist, dass es grundsaniert oder gar abgerissen werden muss. Dann müsste er womöglich mitten in der Saison bei Vollbetrieb in ein Zelt oder eine Ausweichsstätte wechseln - "teuer und unpraktikabel", wie der Experte in Sachen Theaterbau versichert.
So hat sich Sibelius mit den - offenbar bereits gut präparierten - Hochbaufachleuten der Verwaltung und einem kleinen Kreis von Theatermitarbeitern intensiv auf die Thematik gestürzt, Bedarfspläne erarbeitet, Konzepte entwickelt. Dabei ist eines deutlich geworden: Eine pure Sanierung des Gebäudes ist wohl keine ernsthafte Alternative.
Das hat mit den Platzverhältnissen zu tun. Gut 6000 Quadratmeter Nutzfläche bietet das Haus am Augustinerhof. Das würde sich durch eine Sanierung nicht nennenswert ändern. Das Theater hat aber Zusatzbedarf angemeldet: Würde man einen kleinen Kammerspiel-Saal mit 200 Plätzen integrieren und ausreichende Proben-Kapazitäten schaffen, damit die Künstler und das Orchester nicht in der halben Stadt verteilt arbeiten müssen, wären mehr als 3000 Quadratmeter zusätzlich erforderlich. Der Große Saal könnte dabei sogar etwas verkleinert werden.
Auch die Stadt sieht diesen Bedarf, "gerade im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit des Betriebs", wie Kulturdezernent Thomas Egger betont. Die Frage ist, ob man am jetzigen Standort überhaupt entsprechend erweitern kann, etwa durch den Zubau von Nebenflächen rund um das Haus. Immer offener wird aber auch über die Option diskutiert, einen neuen Standort zu suchen (siehe Artikel unten), wo die Pläne einfacher zu realisieren sind.
Dabei spielt aber auch die Idee eine Rolle, mit dem Verkauf des attraktiven Grundstücks in Viehmarktnähe einen Teil des städtischen Finanzierungsbeitrags für den Neubau zu erwirtschaften. Nachgedacht wird in der Verwaltung auch über eine "Public-Private-Partnership"-Lösung - etwa dergestalt, dass eine Stiftung oder ein Unternehmen den Bau und seine künftige Unterhaltung übernehmen könnte und die Stadt das Gebäude für das Theater anmietet. Das ist allerdings politisch umstritten.
Der Stadtrat wird die Weichen zügig stellen müssen. Die Landesregierung, so viel lässt Egger durchblicken, habe schon seit längerem signalisiert, dass sie sich großzügig an der Finanzierung beteiligen wolle. Allerdings, so der Dezernent, "werden die das Geld nicht ewig im Landeshaushalt parken". Deshalb will er das Thema nach der Sommerpause mit Hochdruck in die Gremien bringen.

Vorhandene und mögliche Standorte des Trierer Theaters

Das Trierer Theater ist auf mehrere Standorte verteilt. Neben dem Hauptgebäude am Augustinerhof mit 6200 Quadratmetern Nutzfläche gibt es weitere 5000 Quadratmeter, zum Beispiel mit den Probebühnen in der Karthäuserstraße (Fa. Rendenbach) und im Lager in der ehemaligen Papierfabrik Ehm. Die frühere Lokhalle in Trier-West war als potenzieller T

heaterstandort bereits im Gespräch, inzwischen gibt es aber dort andere Planungen. Denkbare freie Flächen für einen Theaterbau in Innenstadtnähe gäbe es am ehemaligen Polizeipräsidium in Trier-Süd und bald auch am Noch-Standort der Stadtwerke neben dem Hauptbahnhof. Wäre es vielleicht sogar denkbar, dass die SWT das Theater bauen und dann an die Stadt vermieten? Bisher schien der Verbleib am bisherigen Standort klare Priorität, zumindest im Stadtrat. Inzwischen stellt sich aber die Frage, ob dort genug Platz für die nötigen Veränderungen und Zusammenlegungen ist.

Mehrere Szenarien sind denkbar

Der Trierische Volksfreund spielt in den Bau- und Standortfragen einige Optionen durch - samt Vor- und Nachteilen - hier geht es zur Übersicht