1. Region
  2. Kultur

Satte Klänge zum Wohlfühlen

Satte Klänge zum Wohlfühlen

Jacques van Oortmerssen ist einer der renommiertesten Organisten in den Niederlanden. Bei den Internationalen Orgeltagen im Trierer Dom erwies er sich als ein gediegener Handwerker.

Trier. Es ist schon erstaunlich zu hören, wie französisch-symphonisch die Hauptorgel des Trierer Domes klingen kann, wenn ein Organist geschickt mit der Auswahl der Register arbeitet. Jacques van Oortmerssen belegte bei César Francks Choral Nr. 2 in h-Moll, dass er auch auf dem Gebiet des Registrierens ein wahrer Meister ist. Satte Zungenklänge (siehe Hintergrund), unterstützt von den grundtönigen Labialregistern, sparsamer Umgang mit den spitzen Mixturen, das alles ergab ein Gesamtklangbild, in dem man sich wohl fühlen konnte. Malerisch gestaltete er aber auch die kantablen ruhigen Passagen mit einem ausgefeilten Gefühl für die Ausdruckskraft und machte auf diese Art die Francksche Komposition aus dem Jahre 1890 vielleicht zum Hauptwerk des Abends.
Aber auch bei den anderen Programmpunkten, die van Oortmerssen aus Amsterdam mit an die Mosel gebracht hatte, konnte man den gediegenen, sehr überlegt arbeitenden Handwerker erkennen. Etwa bei Johann Sebastian Bachs g-Moll Fantasie, BWV 542, oder bei Wolfgang Amadeus Mozarts Adagio und Allegro für eine Flötenuhr, KV 594.
Mit etwas mehr Spannung, etwas energiegeladener hätte man sich den ersten Satz aus der Symphonie-Passion, Opus 23, von Marcel Dupré gewünscht. Wenngleich technisch brillant gespielt, schaffte van Oortmerssen es nicht überzeugend, die Unordnung in der Welt, die den Erlöser erwartet, darzustellen.
Trotzdem ein großer Abend, den die über 200 Konzertbesucher mit langem Applaus honorierten. gkl
Zungen und Labialstimmen:

Grundsätzlich werden in einer Orgel zwei Sorten von Pfeifen unterschieden. Die Labialstimmen und die Zungenstimmen. Die Labialstimmen funktionieren im Prinzip wie eine Blockflöte. Zu ihnen gehören in der Regel die Pfeifen, die in der Schauseite einer Orgel zu sehen sind. Der Ton ensteht durch die schwingende Luftsäule im Pfeifenkörper. Bei der Zungenstimme dagegen wird durch die einströmende Luft ein dünnes Messingplättchen, die sogenannte Zunge, in Schwingung versetzt, wodurch der Ton entsteht. Zungenstimmen sind in den meisten Fällen kräftige Register. gkl Der 35-jährige Münchner Jürgen Geiger ist der nächste Gast bei den Orgeltagen. Am Dienstag, 31. Mai, spielt er um 20 Uhr Musik von Bach, Mendelssohn Bartholdy, Wagner und Enjott Schneider.