Sauna statt Stadion

In ihrer Heimat Großbritannien werden die Indie-Rocker Foals als Headliner für die größten Festivals gebucht. Warum das unbedingt verdient ist, demonstrierte die Band beim grandiosen Gig im ausverkauften Luxemburger Den Atelier. Nur bei Sänger Yannis Philippakis ist Vorsicht geboten.

Luxemburg. Sie sagen fast nichts, die Foals, keine halbgelogenen Nettigkeiten, kein Smalltalk. Höchstens: Puh, heiß hier. Publikums-Animation? Okay, da gibt's ein paar dezente Avancen von Frontmann Yannis Philippakis und Schlagzeuger Jack Bevan. Philippakis springt aber eigentlich lieber ins Publikum oder auch mal - Grund ungeklärt - auf einen der Fotografen im Bühnengraben als Anekdoten auszupacken oder ein Scha-lala-la-und-jetzt-ihr anzustimmen. Songs zum hemmungslosen Mitgrölen sind nun auch nicht die Welt der Foals, vielleicht mit Ausnahme von "My Number". Die Disco-Funk-Nummer könnte man sich noch im Formatradio vorstellen. Und obwohl die Oxforder auch nach über zehn Jahren Bandgeschichte mit all dem üblichen Massenbelustigungs-Quatsch nun gar nichts zu tun haben, könnte man sie inzwischen als Stadionrock-Band bezeichnen — wenn das nicht so derbe nach Schimpfwort klingen würde: Eine Band, die mit ihrer Energie fast jeden kriegt, der noch nicht für spannende neue Musik verloren ist oder der bevorzugt zu Konzerten geht, um Choreographien oder Filmchen im Bühnenhintergrund zu sehen. Bei Foals steht die Musik in jeder Sekunde im Zentrum. Beim In-die-Fresse-zackigen Dance-Punk ("Cassius") genauso wie beim schwelgerischen, brutal schönen "Spanish Sahara" oder neueren Songs wie "Mountain at my Gates" oder der Zugabe "Two steps, twice" mit Minimal Techno und Steve-Reich-Zitaten. Ihr geplanter (Nachmittags-)Auftritt bei Rock am Ring fiel im Juni wegen Unwetter flach. In Großbritannien haben sich die Fünf bei den Festivalmachern inzwischen ganz oben auf die Liste gespielt. Zu Recht - wie sie in Luxemburg zeigten. Schon vor den Foals hatte es sich gelohnt, der Atelier-Sauna den Vorzug gegenüber dem Biergarten gegeben zu haben: Der Support Mutiny on the Bounty zählt zum Besten, was die regionale Szene aktuell zu bieten hat: Der instrumentale, oft tanzbare Math-Rock der vier Luxemburger ist auch am Freitag beim Rock de Schleek-Festival in Machtum (Mosel) noch mal zu erleben. Dort spielt auch die Trie rer Indie-Rock-Band vandermeer zum ersten Mal in neuer Besetzung.

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