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Scharfe Profile - verlockende Aussichten

Scharfe Profile - verlockende Aussichten

Eine "ungeheure Dosis Energie" verspricht die Luxemburger Philharmonie zum Saisonstart Ende August, und Riccardo Mutis scharf geschnittenes Römerprofil auf dem Titel des Monatsflyers liefert dazu die passende Illustration. Das ist der Auftakt zu einem September-Programm, das auch mit Experimenten lockt.

Luxemburg. Muti Superstar. So hoch rangiert der neue Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestra (der TV berichtete) in der Einschätzung der Konzertveranstalter, dass er für die beiden Auftritte auf dem Luxemburger Kirchberg sogar moderate Programm-Risiken eingehen kann.
Wer bitte, will schon die Sinfonie in Es des zu Unrecht als akademisch verschrienen Paul Hindemith (30. August) hören, wenn nicht die Interpreten-Prominenz von Riccardo Muti (Foto: Philharmonie) lockt? Mit Tod und Verklärung von Richard Strauss und der Fünften von Schostakowitsch und ihrem doppelbödigen Klassizismus zieht ins zweite Konzert am 31. August dann doch wieder die Repertoire-Normalität ein.
Nach dem Paukenschlag zur Eröffnung hüllt sich die Philharmonie für gut zwei Wochen in Schweigen, um dann gleich den nächsten Höhepunkt zu avisieren. Das Israel Philharmonic Orchestra musiziert unter seinem Chef Zubin Mehta (Foto: Philharmonie) frühe Moderne: Webern, Debussy und Gustav Mahlers gleichermaßen imposante und zwielichtige Fünfte ( 17. September). Das Konzert beginnt um 21 Uhr und hat ein Vorspiel. Für 20 Uhr lädt das Orchester ein zum Treffen im Foyer mit Speisen und Getränken aus Israel.
Wo die Philharmonie startet, kann das Orchestre Philharmonique (OPL) nicht zurückstehen. Zu Beginn seiner letzten eigenständigen Spielzeit - ab Mitte 2012 wird der Klangkörper von der Philharmonie betreut - begibt sich das OPL unter der Stabführung von Gast Jiri Belohlavek mit Martinu, Schumanns Cellokonzert (Solist: Jean-Guihen Queyras) und Dvoráks Sechster in romantische Regionen (22./23. September). Das OPL ist auch im ersten Ciné-Konzert der Saison dabei. Es spielt unter Frank Strobel zum Film-Klassiker "Der letzte Mann" (29. September). Und die Solistes Européens kultivieren unter Christoph König zum Start mit der reizvollen frühen Bläserserenade von Richard Strauss, der Zweiten vom Brahms und Berio/Schubert eine Mischung aus Heroik und intimer Eleganz (19. September).
Schließlich geht ein neuer Stern am Klavierhimmel auf: Tim Fellner hat mit seinen beschwingt-unkonventionellen Interpretationen der Wiener Klassik Aufsehen erregt. Begleitet von der "Wiener Kammerphilharmonie" unter Claudius Traunfellner spielt er Beethovens 2. Klavierkonzert (24. September). Das sind verlockende Aussichten für alle Klassik-Fans.
Dass die Philharmonie sich auch in der neuen Spielzeit nicht auf Traditionskonzerte beschränkt, versteht sich. Steve Kaspar, Camille Kerger,Gottfried Sembner und die Liedertafel Irsch laden ein zum musikalischen Spaziergang. Der findet am 24. September statt auf dem Areal der Philharmonie, vor dem Museum für moderne Kunst Mudam und im Park des Festungsmuseums Drei Eicheln. Ab 18 Uhr können Bewegungsfreudige und künstlerisch Interessierte unter dem Titel "Recovering - Voices" Klanginstallationen und Improvisationen erleben. Treffpunkt ist das Foyer der Philharmonie. Spielt das Wetter mit, dann dürfte dem akustischen Freiluftspaß nichts im Weg stehen. Steve Kaspars Klanginstallation bleibt übrigens bis zum 8. Oktober auf dem Kirchberg zu sehen und zu hören.
Anfangszeiten, wenn nicht anders angegeben: 20 Uhr. Kontakt: Philharmonie Luxemburg, Telefon 00352/26322632, www.philharmonie.lu
Es gibt von Trier aus einen Bus-Shuttle am 31. August sowie 22., 23., 24. und 29. September. Reservierung bei Lydia Oermann, Telefon 0651/96686432, lydia.oermann@web.de