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Schicht für Schicht

Schicht für Schicht

OBERBILLIG. In der Galerie für moderne Kunst Contemporanea sind im November Bilder des in Bobenthal in der Pfalz lebenden Künstlers Rolf Gentz zu sehen.

Im fast intim wirkenden Ambiente der Galerie Contemporanea in Oberbillig hängen die Bilder von Rolf Gentz. Die abstrahierten Landschaften haben einen Halt an Wänden, die eigentlich Wände eines Wohnraumes sind. Seit 20 Jahren stellt Hildegard Reeh hier in ihrem Privathaus Bilder angesehener zeitgenössischer Künstler aus. Den Pfälzer Künstler Rolf Gentz und sein Werk hat Hildegard Reeh vor zwei Jahren bei einer Ausstellung in der städtischen Galerie in Karlsruhe entdeckt. Nun sind in ihrer Galerie 36 seiner Bilder zu sehen - in Öl-Emulsion auf Papier, Leinwand und auf Holz aufgeklebter Leinwand. Die augenscheinlichste "Landschaft" unter den großformatigen Bildern ist das "Kinderfeld", ein Getreidefeld im Sonnenschein. Schnell könnte der Blick über diese "ganz normale", dem Auge vertraut erscheinende Landschaft hinweg gleiten, wären da nicht kleine Details, kleine Brüche. Rolf Gentz hat zum einen angedeutete Schriftzeichen in das Bild eingearbeitet, zum anderen ist bei genauerem Hinsehen ein Bruch in der beruhigenden Gleichförmigkeit des Feldes zu erkennen, eine Abstufung, wie ein Wechsel in ein paralleles Universum, in dem das Feld mit einem Mal klarer und eines Schleiers beraubt zu sein scheint. Gleichzeitig wird die Landschaft an dieser Stelle mehr zu einem Übereinander aus Streifen, aus Schichten. Es ist ein Feld aus der Erinnerung an die Kindheit, als der 1939 in Karlsruhe geborene Rolf Gentz im Krieg bei Fliegeralarm über ein Feld in den Wald flüchten musste. Auf seinen anderen großformatigen Gemälden treibt Gentz diese Schichtungen weiter voran, so dass die Landschaft an sich oft als solche nicht mehr zu erkennen ist; lediglich die subtile Farbgebung sowie die Anordnung der verschiedenfarbigen Schichten erlauben eine Zuordnung zu so archetypischen Landschaftseindrücken wie "Sonnenuntergang", "Meer und Land", "weites Feld" oder "Himmel" und "Horizont".Kindheitserinnerungen und Reise-Eindrücke

Immer wieder schimmern verschiedene Elemente unter den Farbstreifen hindurch, wirken wie Fossilien, Versteinerungen. Die Farbschichten spiegeln auch den oft sehr langen Arbeitsprozess an den Bildern wider: Teilweise über zehn Jahre liegen zwischen dem ersten Pinselstrich und dem letzten Streifen. Gentz verarbeitet Erinnerungen aus der Kindheit genau so wie Reiseeindrücke. Auf einer Bilderserie kleinformatiger Werke auf Papier sind beispielsweise reduzierte Elemente und Bauwerke aus Mexiko zu sehen. Dem Betrachter bleibt es überlassen, seine eigenen Gedanken zwischen die Schichten und über die Elemente zu legen, den Blick schweifen zu lassen über Kompositionen, die erfüllt sind mit intensiv-sensibler Farbgebung und einer mehr als gekonnten Bildkomposition, mit einem eigentümlichen Rhythmus und mit ebenso eigentümlichen Brechungen. Bis 29. November, di.-fr. 14 bis 18 Uhr, sa. von 10 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung (Tel. 06501/12297).