Schillernde Farben als Staubwedel fürs Museum

"Im Reich der Schatten" ist das multimediale Vorzeigeprojekt des Rheinischen Landesmuseums in Trier. Nun hat das Spektakel nach seiner Überarbeitung eine zweite Premiere gefeiert, und die beiden Darsteller Christoph Maria Herbst und Peter Striebeck waren dabei.

 Bin ich's wirklich? Die Schauspieler Christoph Maria Herbst (links) und Peter Striebeck hören im Landesmuseum ganz genau hin. TV-Foto: Friedemann Vetter

Bin ich's wirklich? Die Schauspieler Christoph Maria Herbst (links) und Peter Striebeck hören im Landesmuseum ganz genau hin. TV-Foto: Friedemann Vetter

Trier. Mit wachem Blick wandert Christoph Maria Herbst durch das Rheinische Landesmuseum. Als er die Stimme des Götterboten Merkur zum ersten Mal vernimmt, huscht ein erkennendes Lächeln über sein Gesicht - es ist seine eigene. Seit wenigen Wochen ist das multimediale Raumtheater "Im Reich der Schatten" in seiner verbesserten Ausführung im Rheinischen Landesmuseum zu sehen. Die beiden Schauspieler Christoph Maria Herbst und Peter Striebeck liehen den Protagonisten, Merkur und dem verwitweten Gaius Albinius Asper, ihre Stimmen. Merkur begleitet Asper auf seinem Weg in die Unterwelt, wo er seine verstorbene Frau suchen will. Die Stimmen wurden in einem Hamburger Studio aufgenommen. Gestern nutzten die beiden Sprecher erstmals die Gelegenheit, das fertige Gesamtkunstwerk vor Ort zu begutachten.

"Die Arbeit für dieses Projekt war völlig anders als das, was ich sonst mache", sagt Herbst, sichtlich beeindruckt nach der Vorführung. Auch dass mittendrin einer der rund 20 Beamer ausgefallen ist, tut seiner Begeisterung keinen Abbruch. "Ich habe ins Schwarze gesprochen und hätte nie geglaubt, dass etwas so schillernd Buntes dabei herauskommen würde. Das hat den Staub aus den Ritzen geblasen!" Normalerweise sind Museumsbesuche für Herbst eine anstrengende Sache. "Manchmal spare ich mir die Ausstellung und gehe gleich ins Museumscafé!"

Ganz anders sein Kollege Peter Striebeck, der während der Vorstellung meist auf einem Klappstuhl sitzt: "Kaum ein Museum in Europa, das ich nicht schon besucht habe", sagt er. Sein Blick ist häufig auf den Boden gesenkt. Er hört aufmerksam zu. "Als Gesamtkunstwerk hat mir das schon sehr gut gefallen", sagt Striebeck. Doch ganz zufrieden ist er nicht, die schlechte Akustik in dem kalten, steinernen Raum stört ihn. Zu sehr hallen die Wörter in dem langgezogenen Raum nach. "Dass solch ausgezeichnete Texte nicht richtig zu verstehen sind, ist ein bisschen schade. Für viele Besucher könnte es schwierig sein, alles zu verstehen."

Dabei hatte das Landesmuseum erst vor einem Monat genau dieses Problem beheben wollen. "Wir haben die Lautsprecher auf Ohrenhöhe montiert", erklärt Frank Unruh, Sprecher des Museums. Vorher kam der Ton für "Im Reich der Schatten" von Lautsprechern an der Decke, die Stimmverzerrung war noch stärker. Außerdem erhielt die szenische Darstellung noch einen letzten Feinschliff: "Wir haben langatmige Stellen gekürzt, und andere Szenen klarer herausgearbeitet." Das hat Geld gekostet, Museumsdirektor Eckhart Köhne spricht von einer fünfstelligen Summe. "Die war jedoch noch Teil des Gesamtbudgets", betont er.

Finanziert wurde das knapp eine Million Euro teure Projekt zur Hälfte durch Landesmittel. Die andere Hälfte stammt aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) der Europäischen Union. Extra

Extra

Mehr als 8000 Besucher hat das multimediale Raumtheater "Im Reich der Schatten", das seit Juni für die Öffentlichkeit zugänglich ist, bislang angelockt. Das Spektakel läuft immer dienstags bis sonntags um 11.30 Uhr, 14 und 17 Uhr im Rheinischen Landesmuseum in Trier. Eine Vorstellung dauert rund 45 Minuten. Für Schulklassen und Gruppen gibt es Sondertermine. Weitere Informationen zum Projekt gibt es im Internet unter www.im-reich-der-schatten.de (slg)

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort