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Schlachtschiff flott gemacht

Schlachtschiff flott gemacht

TRIER. (DiL) Die deutsche Spiel-Oper gilt als etwas angestaubtes Genre, das dennoch – oder gerade deshalb – beim Publikum sehr beliebt ist. Dem Regisseur Wolf Widder, dessen "Zar und Zimmermann"-Inszenierung morgen Premiere im Theater Trier feiert, sagt man ein gutes Gespür für den goldenen Mittelweg zwischen plüschiger Nostalgie und verstörenden Modernismen nach.

Albert Lortzings Biedermeier-Verwechslungsspiel um echte und falsche Zaren, aufgeblasene Bürgermeister, verliebte Holländerinnen, Holzschuhe und Handwerker beim Schiffsbau gehört zu jenem Teil des Opern-Bestandes, den man gemeinhin als "unverwüstlich" bezeichnet. Das mag an einigen Evergreens liegen, aber auch an der Lust des Publikums am turbulenten Durcheinander, bei dem plötzlich ins Bodenlose stürzt, was vorher obenauf war, und am Ende strahlt, wer anfangs ein Verlierer zu sein schien. Bei manchen Regisseuren gerät die Komödie zum operettigen Leichtgewicht, bei anderen zum bedeutungsschwangeren Drama. Wolf Widder will bei seinem Trier-Debüt weder das eine noch das andere. "Wo Spieloper drauf steht, muss auch Spieloper drin sein", sagt der 52-Jährige. Wenn man Inhalte aufpfropfe, die das Stück nicht hergebe, entstehe "ein Koloss auf tönernen Füßen". Aber selbstverständlich könne man das 1837 uraufgeführte Werk "auch nicht einfach eins zu eins zeigen". Widders Rezept: "Eine gewisse ironische Distanz und ein sich ständig steigerndes Tempo." In Lübeck, wo er sein Konzept gemeinsam mit dem Bühnenbildner Michael Goden erstmals realisierte, ging die Rechnung auf. Begeistertes Publikum, zufriedene Kritik. Dieter Oberholz spielt den Erzähler

Für Trier ist die Inszenierung "im Grunde die gleiche geblieben, aber doch völlig anders". Widder, der viele Bühnen in Deutschland kennt, ist begeistert vom Trierer Ensemble und vor allem vom Chor, dieser "singenden Komödiantentruppe". Ein wesentliches Element ist geblieben: Widder hat einen Erzähler in die Handlung eingebaut, den der Schauspieler Dieter Oberholz verkörpert. Das reduziert und beschleunigt die Dialoge, deren getragene Deklamation durch die Sänger bei vielen "Zar und Zimmermann"-Produktionen den Handlungsablauf etwas lähmt. So will Widder das alte Schlachtschiff "wieder flottmachen und ans Schwimmen bringen" - eine Metapher, die schön zum Stück passt, das im Holländischen Nordsee-Städtchen Saardam spielt. Dass der langjährige Heidelberger Oberspielleiter mit dieser Inszenierung gerade nach Trier kommt, hat mit einer Verbindung zu tun, die Bühnenbildner Goden hergestellt hat. Mainz und Kassel, Schwerin und Baden-Baden, Wiesbaden, Münster, Krefeld und Gelsenkirchen: Kaum ein deutsches Mittelklasse-Haus, an dem er in seiner 25-jährigen Karriere nicht gearbeitet hat. Ab 2008 wird er Operndirektor in Pforzheim. Eigentlich gilt er als Mann des zeitgenössischen Musiktheaters, aber festlegen lässt er sich darauf ungern. "Ich bin ein Wanderer zwischen den Genres", sagt er, "auch wenn es nicht markt-opportun ist." Gegenüber dem "Leichten" hat er jedenfalls keine Berührungsängste. Mit "kluger Unterhaltung das Haus voll zu kriegen", sei schließlich "Teil unseres Theater-Auftrags". Premiere am Samstag, 17. März, 19.30 Uhr. Nächste Vorstellungen: 23., 27., 31. März; 11., 13., 20. April. In den Hauptrollen Annette Johannsson, Andreas Scheel, Peter Koppelmann, Eric Rieger, Thomas Schobert. Musikalischer Leiter ist Christoph Jung.