Schmuck kann auch politisch sein

Schmuck kann auch politisch sein

Mit der neuen Ausstellung "Zierrat Sieraad - Künstlerservice und Künstlerschmuck von Pablo Picasso bis Cindy Sherman" spricht das Stadtmuseum Simeonstift in Trier eine breit gefächerte Gruppe von Interessierten an und beweist, dass Schmuck und Porzellan durchaus politisch sein können.

Trier. In Triers Partnerstadt s\'Hertogenbusch wird derzeit die Museumsszene umgekrempelt. Die Stadt bereitet sich auf das Hieronymus-Bosch-Jahr 2016 vor, in dem der berühmte Maler vor 500 Jahren in seiner Heimatstadt gestorben ist. Ein Glücksfall für das Stadtmuseum Simeonstift in Trier. Denn das derzeit geschlossene Stedelijk Museum, das sich auf Künstlerservice und Schmuck spezialisiert hat, kann so seiner Partnerstadt eine bedeutende Sammlung ausleihen, die ab Sonntag, 25. März, zu sehen ist. "Zierrat Sieraad - Künstlerservice von Pablo Picasso bis Cindy Sherman" zeigt 60 Service und Kannen sowie 119 Schmuckstücke von 60 Künstlern. Die Ausstellung präsentiert Werke von Marc Chagall, Pablo Picasso oder Sonia Delaunay.
Die Schau bewegt sich auf dem engen Grat zwischen Kunsthandwerk und autonomer Kunst. Manche Objekte, wie zum Beispiel ein Service des New Yorker Künstlers Keith Haring, gingen tatsächlich in Serie, waren käuflich zu erwerben und sind heute begehrte Sammlerstücke. Andere wie die Installation "Slave City" von Joep van Lieshout, sind als reines Kunstobjekt zu verstehen, als nicht benutzbares Unikat. "Slave City" besteht aus einer gedeckten Tafel, deren Geschirrteile für Teile einer Gesellschaft stehen. Darstellungen mit Gewalt- oder Sexszenen zeigen drastisch die Unmenschlichkeit dieser von Männern geprägten "Sklavenstadt" - einer Allegorie auf westliche Industrienationen. Die Präsentation des Geschirrs ist außergewöhnlich. Es steht ungeschützt auf den Tischen, was ein ausdrücklicher Wunsch der niederländischen Museumsleitung war. Wer allerdings zugreifen will, wird mit einem hellen Pfeifton bestraft - moderne Alarmanlagentechnik macht\'s möglich.

Schmuck auf einer eigenen Etage


Die Schmuckausstellung, zwei Stockwerke höher, ist in Zusammenarbeit mit Studierenden der Fachhochschule Trier entstanden. Kuratorin Alexandra Orth erklärt: "Uns war es wichtig, den Schmuck so zu zeigen, wie er auch getragen wird. Daher haben wir einige Büsten von Studierenden der FH gestalten lassen." Was dabei herauskam, kann sich sehen lassen, denn durch die Drapierung auf mit dunklem Stoff umhüllten Büsten wirken die Objekte sehr lebendig. Dabei reicht das Spektrum von originellen Broschen wie dem "Golden Baby" von Keith Haring bis zu einem Ring mit politischem Anspruch. "With you inside me comes the knowledge of my death" ist der Titel eines schlangenförmigen Rings, den Künstlerin Jenny Holzer als Mahnung gegen Vergewaltigung und Kriegsschrecken verstanden wissen will. Das Stadtmuseum setzt mit dieser Ausstellung, die nicht nur abstrakte Arbeiten, sondern auch real zu nutzende Gegenstände zeigt, einen bereichernden Akzent in die regionale Museumslandschaft.

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Extra

Eröffnung: 25. März, 11.30 Uhr. Öffnungszeiten (bis 12. August): täglich außer montags, 10 bis 17 Uhr, Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag 10 bis 17 Uhr, Pfingstmontag 10 bis 17 Uhr. Adresse: Simeonstraße 60, Trier. hpl