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Schnapspralinen für alle! - Die Känguru-Chroniken in deutschen Kinos

Film-Premiere : Schnapspralinen für alle! - Die Känguru-Chroniken: Anarchie in deutschen Kinos

Viel zu lange hat es gedauert. Mehr als zehn Jahre sind vergangen, bis aus den Kult-Büchern von Marc-Uwe Kling um das vorlaute Beuteltier eine schräge Kino-Komödie wurde. Jetzt hüpft das Tier in „die Känguru-Chroniken“ über die deutschen Kino-Leinwände.

Das Beuteltier ist Kommunist mit klarem Hang zur Anarchie. In seinem Beutel hat es Boxhandschuhe und tausend andere nützliche Dinge. Dazu isst es Unmengen an Schnapspralinen, steht total auf Nirvana und glänzt mit bissig-ironischem Wortwitz vom Feinsten. Sowas gibt’s nicht? Von wegen! Das Känguru ist real. Das steht sowohl für den Autor Marc-Uwe Kling, als auch für viele Fans fest. Das selbstbewusste Hüpftier lebt schließlich mit Kleinkünstler Marc-Uwe Kling in einer WG in Berlin.

2008 ging es für Kling und das hüpfende Beuteltier von der Bühne ins Radio. 2009 erschien das erste Buch „Die Känguru-Chroniken: Ansichten eines Beuteltiers“. Dann folgten das Känguru-Manifest, die Känguru-Offenbarung und schließlich die Känguru-Apokryphen.

Zum Erfolg haben nicht zuletzt die unverblümten, klugen Sprüche des Beuteltiers beigetragen. "Schonmal darüber nachgedacht, dass es von uninformiert kein langer Weg zu uniformiert ist?" oder „Warum heißt es 'recht haben' und nicht 'link haben'? Warum ist ein rechtes Ding positiv konotiert, ein linkes Ding negativ? Warum spricht ein Richter nicht link? Wahrscheinlich weil er ein rechter Sack ist.“

Genauso wie Anarchie und Kommunismus gehören Statements gegen Nazis zum Känguru-Universum. Deshalb war Regisseur Daniel Levy („Alles auf Zucker“) motiviert, einen politischen Film für ein breites Publikum zu drehen. „So setzen die Känguru-Chroniken doch einen klaren Kontrapunkt in der Landschaft der Mainstreamfilme, als ein ungehobelter, unerzogener Film gegen Nazis, Rechtspopulisten und die Zerstörung der Städte.“

 Dimitrij Schaad (l) als Marc-Uwe und das Känguru in einer Szene des Films «Die Känguru-Chroniken» (undatierte Filmszene).
Dimitrij Schaad (l) als Marc-Uwe und das Känguru in einer Szene des Films «Die Känguru-Chroniken» (undatierte Filmszene). Foto: dpa/-

Die Auszeichnungen mit dem Deutschen Radiopreis und dem Deutschen Hörbuchpreis machen die extreme Beliebtheit des Kängurus deutlich. Trotzdem braucht es mehr als 10 Jahre, bis es das Känguru endlich auf die Leinwand schafft. Dieser denkwürdige Tag ist in Trier am Donnerstag, 5. März. „Die Känguru-Chroniken“, heißt der neue Kinofilm.

Ängstliche Fans könnten befürchten, dass das Beuteltier anders klingt als in den Hörbüchern, dass der Inhalt des Films völlig vom Original abweicht, dass sie am Ende ihr Känguru nicht wiedererkennen.

Eine gute Nachricht: Die Stimme des Beuteltiers wird haargenau wie im Radio oder den Lesungen klingen. Das Känguru hüpft auch im Kinofilm umwerfend selbstbewusst und gnadenlos ehrlich über die Leinwand. Auch sonst ist vieles vertraut. Das mag vor allem daran liegen, dass Marc-Uwe Kling das Drehbuch geschrieben und wichtige Entscheidungen mitgetroffen hat.

Die Bücher sind in kurzen Episoden erzählt. Regisseur Daniel Levy war klar, dass die Umsetzung in einen Film mit Handlungsstrang nicht einfach werden würde. „Wir haben lange Ideen gewälzt, bis wir dann etwas gefunden haben, was dem Film eine Handlung gibt, ohne den Spirit der Bücher zu verraten.“

Herausgekommen ist eine Kampf-gegen-Bösewicht-Geschichte, in der Figuren, Themen und Handlungselemente aus allen vier Büchern eingearbeitet wurden. Und wie sollte es auch anders sein, die Rolle des Kängurus übernimmt das Känguru höchstselbst. Auf die Frage, warum Kling sich nicht selbst spielt, antwortet der Autor dem Känguru in einem Interview auf seiner Facebookseite: „Ich verstehe nicht, warum ich das dauernd gefragt werde. Elton John hat sich doch auch nicht selbst gespielt.“ Tja, und deshalb spielt Dimitrij Schaad (“Asphaltgorillas“) seinen Part im Kinofilm. Natürlich mischen auch Kneipenwirtin Herta (Carmen-Maja Antoni), Späti-Betreiber Otto von (Tim Seyfi) und Friedrich-Wilhelm (Adnan Maral) im Film mit. Maria wird von Rosalie Thomass gespielt. Den Immobilienhai Jörg Dwigs gibt Henry Hübchen („Sonnenallee“, „Alles auf Zucker“).

Und worum geht es nun im neuen Kinofilm, ohne zu viel zu verraten? Marc-Uwe lebt mit dem Känguru in einer total normalen WG in Berlin Kreuzberg. Doch ihr WG-Leben wird bedroht. Ein rechtspopulistischer Immobilienhai will ein gigantisches Bauprojekt im idyllischen Kiez hochziehen. Das gefällt dem Känguru so gar nicht. Es ist nämlich bekannterweise Kommunist. Deshalb entwickelt es diverse geniale Pläne – also am Ende eigentlich nur einen. Und der soll in einem großen Anti-Terror-Anschlag gipfeln.

Das hört sich jetzt vielleicht komisch an. Allerdings wissen echte Fans um das Assoziale Netzwerk, das das Känguru gegründet hat, um Anschläge gegen das System führen zu können. Regisseur Daniel Levy bezeichnet den Film als „Unterhaltungskino mit Substanz und Subversion“. Die Zuschauer können sich nach Aussage der Produzenten Stefan Arndt und Uwe Schott auf eine stimmige Mischung aus Humor und Tiefgang sowie Unterhaltung und Sozialkritik freuen.

Und wie sieht es mit einer Fortsetzung aus? Daniel Levy sagt: „Ich denke, das hängt vom Erfolg ab. Aber man wäre ja blöd, wenn man nicht weitermacht. Es gibt noch so viele gute Geschichten in den Büchern.“