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Schonzeit für Schürzen

Schonzeit für Schürzen

TRIER. "Lust auf mehr" verspricht die aktuelle Tournee der Schürzenjäger – doch für die Band um Peter Steinlechner soll nach 34 Jahren endgültig Schluss sein. Am Samstag haben mehr als 1700 Besucher die Tiroler bei ihrem letzten Auftritt in Trier verabschiedet.

Eigentlich kann so etwas nicht gut gehen. Ein paar volkstümliche Musiker aus dem Zillertal und ein deutsch-amerikanischer Heavy-Metal-Schlagzeuger, der seine Kindheit in den USA verbracht hat - nicht nur musikalisch liegen dazwischen Welten. Doch irgendwie rauften sich Peter Steinlechner und Patrick Cox zusammen und kreierten gemeinsam den typischen Sound, der die Schürzenjäger zu einer der erfolgreichsten Musikgruppen Österreichs werden ließ. Bunt gemischt ist auch das Publikum in der Trierer Europahalle - ob Trachtenjanker, Fußballtrikot oder ein Fan-Shirt der Thrash-Metal-Band "Slayer", fast alle Kleidungsstile sind beim Abschiedskonzert zu sehen. Die Verbindung aus Rockmusik mit traditionellen Elementen spricht Alt und Jung gleichermaßen an. Wer Hardrock zu hart findet und Schlager zu banal, der kommt hier auf seine Kosten. Gleich zum Auftakt spielt die Band einen ihrer größten Erfolge: "Glory-Hallelujah" ist eine pseudo-religiöse Hymne an die Freiheit auf dem Motorrad. Doch die Schürzenjäger sind keine schweren Jungs, keine Rockerbande. Alpenrock statt Lederhose

Sie sind trotz ihres Imagewandels weg von der allzu volkstümlichen Musik immer die netten Burschen von nebenan geblieben, singen von Liebe, Menschlichkeit und Umweltschutz. Es folgen Lieder aus drei Jahrzehnten, darunter auch frühe Stücke wie "Sommer in den Bergen" oder "Mein Tirol, ich vermisse dich". Sie wirken inzwischen wie aus einer anderen Ära. Die neuen Titel dagegen klingen auf der Bühne rockiger als im Radio und bringen Stimmung in den vollen Saal. Alpenrock statt Lederhose - da war es nur folgerichtig, dass die Schürzenjäger vor elf Jahren die Herkunftsbezeichnung "Zillertaler" aus ihrem Namen strichen. Mit sicherem Gespür für den kommerziellen Erfolg integrierten sie Anleihen aus Schlager, Pop und Rock, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen. "Mir gefallen besonders die älteren, bekannten Titel", sagt Theo Hau aus Morbach. Er ist mit seiner Frau zum ersten Mal bei den Schürzenjägern. Langjähriger Fan hingegen ist Eva Merten aus Schöndorf "Ich habe sie in Konz erlebt, das muss schon fast 30 Jahre her sein", erzählt sie. Damals waren sie noch keine großen Stars, traten in der Sporthalle auf. "Es ist schade, dass sie jetzt aufhören." Einer der Höhepunkte im zweiten Teil des Konzerts ist das Schlagzeugsolo von Patrick Cox, der unter dem frenetischen Beifall der Zuhörer beweist, dass er weit virtuoser mit seinem Instrument umgehen kann, als er es bei den Studioaufnahmen zeigen darf. Zum Abschluss wird die Halle dann in ein Meer aus Leuchtstäben und Feuerzeugen getaucht, als "Sierra Madre" erklingt - der Titel, der wie kaum ein anderer mit den Schürzenjägern in Verbindung bleiben wird, obwohl das Original schon 1970 von Ronny eingesungen wurde.Letztes Konzert in der Heimat

Der letzte Akt der Abschiedstournee steigt am 21. Juli in Finkenberg, der Heimat der Schürzenjäger, wo noch ein letztes Konzert stattfinden wird. Was danach kommt, bleibt abzuwarten. "Es geht ja weiter", sagt Bandleader Peter Steinlechner. Vielleicht hat er ja doch "Lust auf mehr".