Schuman im Rückblick

Das Beste vom Guten: Überzeugend und großzügig präsentiert die Europäische Kunstakademie Trier die Gewinner des Kunstpreises Robert Schuman seit 1991

Trier. "Don't worry" - ganz ruhig - rät der Text auf dem Monitor, während aus der Ecke eine Stimme die eigene Orientierungslosigkeit beklagt. Orientierungslosigkeit erfasst auch den Zuhörer in Dominique Petitgands beklemmender Klanginstallation. Am liebsten würde man weglaufen und bleibt doch wie gebannt stehen, gefesselt im Netzwerk dieser unsichtbaren Stimmen. Allein die Arbeit des Franzosen aus Paris ist einen Besuch in der Kunsthalle der Akademie wert. 1999 war Petigand mit einer anderen Klanginstallation Robert Schuman Preisträger geworden. Damals hatte die Frage, ob denn eine Klanginstallation überhaupt (wie von den Statuten des Preises gefordert) ein Werk der Bildenden Kunst sei, einen erbitterten Streit ausgelöst. Wer sich jetzt in den neuen Klang-raum begibt, wird zustimmen, dass kein Körper präsenter und kein Raum plastischer sein kann als das Gefüge dieser Stimmen. Allerdings ist es keinesfalls nur die Arbeit im Hochparterre, die aufhorchen lässt und die Premium-Schau des Kunstpreises zu einem unbedingt sehenswerten Ereignis macht. Was sich unten in der lichten Halle präsentiert, ist weit mehr als ein Überblick ehemaliger und zum Teil aktueller Preisträger-Arbeiten. Was sich auftut, ist eine rundum gelungene Zusammenschau qualitätvoller Kunstwerke, die atmen und so perfekt im Dialog stehen, als seien sie eigens für diese Schau geschaffen. Der Serie eindrucksvoller fast mystischer Gemälde von Marie-Paule Schroeder am Ende des Raums steht an der Stirnwand die alltägliche Paarwelt von Margit Schäfer gegenüber. Die Damen und Herren der Saarbrücker Foto Künstlerin müssen sich von Andrea van der Straetens Kinderfotos fragen lassen, was denn Normalität sei. Verbunden werden die beiden Raum-Enden von Wolfgang Nestlers Kupferschlange, die sich über den Boden windet. Der Metallbildhauer ist ein Meister der Balance und der bewegten Linie. Großartig: sein Tisch aus Stahl, der sozusagen den kleinen Finger spreizt. Als tödliches Kriegsspiel alter Kinder entlarvt mit schwarzem Humor Philippe Jacqs Installation im Seitenraum den Irak-Krieg. Das geflügelte Schlachtross ist ein Schaukelpferd, der Zeppelin hat zwei Krummsäbel im Gürtel. Makaber: der Müllcontainer für gleichermaßen christliche wie islamische Tote. Bleibt noch - neben einem Stillleben aus ihrer "Mistelpartitur" - Su-Mei Tses hinreißende Neonschaukel. Als lichter Pendel schwingt sie im Raum und gibt den Rhythmus dieser in ihren Kunstwerken manifest gewordenen Kunstzeit an. Europäische Kunstakademie: bis 20. Januar, Di - So 11-17 Uhr, 25.,26.,31.12. sowie 1.1. geschl. www.eka-trier.de

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