Schweben zwischen Realität und Fiktion

Schweben zwischen Realität und Fiktion

Mit Arbeiten des Fotografen Gerhard Vormwald setzt die Stadt Wittlich in einer sehenswerten Schau die Reihe ihre Fotoausstellungen fort.

Wittlich. Um Gerhard Vormwald ist es in den vergangenen Jahren eher still geworden. Jetzt ermöglicht eine Ausstellung im Alten Rathaus in Wittlich ein Wiedersehen mit dem deutschen Fotografen, der heute in Paris und in Deutschland lebt, wo er seit 1999 als Professor an der Fachhochschule Düsseldorf lehrt.
Der 1948 in Heidelberg geborene Künstler studierte nach einer Offsetdrucklehre zunächst Malerei und Plastik sowie Gebrauchsgraphik. Danach arbeitete er als Bühnen- und Werbefotograf sowie für verschiedene Magazine. In der Region waren Vormwalds Arbeiten zuletzt 2010 in der Trie rer Tufa zu sehen. Dort war er an der Gemeinschaftsausstellung "Die Nacht" beteiligt. International bekannt wurde Gerhard Vormwald in den 70er und 80er Jahren durch seine Fotoinszenierungen. Die hintersinnigen, humorvollen Arbeiten mit ihren im Raum schwebenden Körpern sind dem Surrealismus verpflichtet. Dort haben sie ihre direkten kunstgeschichtlichen Vorbilder.
Die Wittlicher Ausstellung schlägt eine Brücke von jenen Arbeiten bis heute. Immer noch ist Gerhard Vormwald die Lust an der Inszenierung geblieben. Auch in seinen neuen "Ideallandschaften", die in der Säubrennerstadt zu sehen sind, benutzt er Versatzstücke aus dem wirklichen Leben, wie etwa Teile und Inventar einer Baustelle. Sie inszeniert er zu Kunst-Landschaften und schafft somit Räume einer neuen fiktiven Wirklichkeit. Da werden Kabel zu Grünpflanzen und Mauerteile zu Pyramiden.

Humorvoll und selbstironisch


Unverändert sichtbar bleibt Vormwalds Gespür für Raum und Form, sein Humor und sein waches Auge für den Wahnsinn des ganz normalen Lebens. Dabei spart er auch nicht mit Selbstironie. Den feinsinnigen Witz und die virtuose Leichtigkeit, mit denen Vormwald in seinen früheren Inszenierungen die Bildwirklichkeit im Schwebezustand zwischen augenscheinlicher Realität und fantastischer Vorstellung hielt, erreicht er in seinen neuen Arbeiten nicht. Manches wirkt formalistisch, erdenschwer kommt der Witz vielfach daher, zuweilen plakativ in seiner üppigen Farbigkeit, so wie beim Foto "Paulinchen".
Unter den neuen Arbeiten sind Vorwalds "Baustellen" die interessantesten. Als Teil der Rauminstallation sind die frühen, ausgesprochen sehenswerten Fotoinszenierungen den übrigen Arbeiten bisweilen wie Mitglieder einer Gruppe, die aus der Reihe tanzen, gegenübergestellt, sind hoch- oder tiefgehängt oder im engen Durchgang untergebracht. Das macht sie nicht ergiebiger. Und das haben sie eigentlich auch nicht nötig. Überdies leidet die Ausstellung zum Teil unter der Fülle der bisweilen im Schulterschluss gehängten Bilder. Es ist auch schwierig, in der Menge eine Struktur auszumachen, erst recht, da die Beschilderung mühsam zu lesen ist. er
Die Ausstellung ist noch bis 3. Februar zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags, 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, samstags 11 bis 17 Uhr, sonntags und an Feiertagen 14 bis 17 Uhr. Kontakt: Telefon 06571/14660, www.wittlich.de