Schwelgerische Blütenpracht in Überfülle

Schwelgerische Blütenpracht in Überfülle

In Blütenpracht schwelgt derzeit die gleichnamige Ausstellung zeitgenössischer Blumenstillleben im Haus Beda. Die lustvolle Schau leidet allerdings etwas unter der Überfülle.

Bitburg. Blumenstillleben gehören sozusagen zu den Dauerbrennern der Kunstgeschichte. Im Vergleich zu anderen Gemäldearten galten die bunten Blumenbilder als eher harmlos. Weshalb man sie lange für das passende Thema speziell für Malerinnen hielt. Gewandelt hat sich im Laufe der Jahrhunderte zudem die Bedeutung der Blumenstillleben. Hatten ihre blühenden Pflanzen zunächst vor allem Symbolwert, wie die Lilie als Zeichen der Keuschheit, so drückte sich in den Blumenstillleben des Barocks opulente Lebenslust aus, die sich allerdings ihrer Vergänglichkeit bewusst war. Schau lebt von Opulenz

Die moderne Malerei hingegen thematisierte in ihren Blumenarrangements Lichterscheinung wie Pracht und Wirkung der Farbe. Mit gegenwärtigen Versionen des alten malerischen Genres befasst sich die neue Ausstellung im Haus Beda in Bitburg. Dort sind zehn, meist fotografische Positionen zeitgenössischer Blumenstilleben zu sehen. Sie schlagen die Brücke vom barocken Stillleben mit seinen Vanitas-Motiven, soll heißen seinem Wissen um die Nichtigkeit alles Irdischen, hin zur Gegenwart. Die Bitburger Schau lebt von der Opulenz. Das gilt gleichermaßen für die Bilderfülle wie die Formate und die präsentierte Farbenpracht. Manch einem mag es da gehen wie in Friedrich Hölderlins Dichterwort "Wenn ich unter meinen Blumen lag". Auch im Haus Beda schwelgt man lustvoll in sinnenfreudiger Blütenpracht. Vor lauter Eindrücken gerät da schnell ins Abseits, was Inhalt und Ausdruck ist. Unter den zehn internationalen Positionen sind einige zweifellos herausragende, so wie die von Margriet Smulders. Die niederländische Fotografin ist vor allem durch ihre Familienbilder bekannt. In ihrer Blumenbilder-Serie nimmt sie sich eines neuen Themas an, das sie mit Hilfe von Wasser und Spiegeleffekten schillernd und vieldeutig gestaltet. Ihre poetischen Stilleben können mit ihrer Sinnenlust als späte Nachfahren des Goldenen Zeitalters der niederländischen Malerei im 17.und 18.Jahrhunder, gelten. Gedächtnisarbeit leistet die Brasilianerin Luzia Simons. Zur Bildgestaltung nutzt sie eine moderne Digitaltechnik, wie sie in Archiven verwandt wird. Sie scannt ihre Tulpen als Pflanzen direkt ein und verleiht ihren Blumenbildern so Authentizität. Dabei entstehen eindrucksvolle surreale Bilder, deren wandfüllende Formate die dargestellten Tulpen seltsam entrücken, bisweilen allerdings auch bedrohlich erscheinen lassen. Der Titel "Stockage" (Lagerung) verweist gleichermaßen auf Simons Archivarbeit wie auf die kommerzielle Lagerung der einst wertvollen Tulpenzwiebeln. Zu den eindrucksvollsten Arbeiten gehören die Blumenporträts einer weiteren Niederländerin, der 1967 in Zaandam geborenen Carla van der Puttelaar. Ihre meisterlichen Tulpenbilder erreichen die Qualität der Blumenfotografien des Amerikaners Robert Mapplethorpe. Als lockende, geheimnisvolle Schönheiten erscheinen Van der Puttelaars Tulpen im schwarzen Bildgrund. Auf barocke Stillleben mit ihrem Vanitas-Motiv greift Vera Mercer zurück und versetzt ihre zeitgenössische Bildwelt mit historischen Zitaten. Farbe und Form feiern in ihren Blumen der englische Bildhauer Marc Quinn und die Malerin Andrea Küster.Auch Landschaftsbilder

Anti-Stillleben und damit dem Thema genau entgegengesetzt, sind dagegen Martin Klimas explodierende Blumenvasen, bei denen es dem Fotografen um den Prozess der Zerstörung geht. Eindrücklich, aber keine Blumenstillleben sondern Landschaftsbilder sind auch Peter Hutchinsons interessante Collagen, die im Zusammenhang mit der Landart des Engländers stehen. Ein wenig arg naiv und formal platt kommen hingegen Stephanie Senges gesellschaftskritische Blumenarrangements daher. Die Bitburger Schau ist ohne Frage sehenswert. Allerdings wäre sie sparsamer bestückt und exemplarischer präsentiert noch weitaus ergiebiger. Was sich hier darstellt, ist eine lustvolle Gesamtschau, in deren Schwelgerei man leicht in Gefahr ist unterzugehen. Etwas stiefmütterlich hängt das einzige historische, kleinformatige Stillleben zwischen zwei Fenstern.Die Ausstellung ist bis Sonntag, 8. Januar, immer dienstags bis freitags, jeweils 15 bis 18 Uhr, und samstags, sonn- und feiertags, jeweils von 14 bis 18 Uhr, zu sehen. Weitere Informationen unter Telefon 06561/96450 oder im Internet unterbeda-haus.de

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