Schwere Kost, leicht serviert

Schwere Kost, leicht serviert

Mal klassisch, mal heiter, dann schmerzvoll und klagend: Das Danisch String Quartet hat bei seinem Konzert im Kloster Machern durch sein intensives Spiel das Publikum in höchst unterschiedliche Gefühlswelten mitgenommen.

Wehlen. Um es vorwegzunehmen: Leichte Kost ist es nicht gewesen, die das Danish String Quartett im Rahmen des Mosel Musikfestivals den mehr als 200 Zuschauern im fast ausverkauften Barocksaal des Klosters Machern präsentiert hat. Doch haben die vier skandinavischen Musiker eine Leistung gezeigt, die sie als Meister ihres Fachs ausweist und die Zuschauer mitnimmt und begeistert. Doch der Reihe nach: Schon beim ersten Stück, dem Streichquartett Nr. 4 c-moll op. 18 Nr. 4, ist zu sehen, wie die Musiker bei der Musik mitgehen, wie sie die Stücke leben.
Nicht nur ihre Hände spielen die Melodien auf der Viola, der Violine und dem Cello. Da verziehen sich die Gesichtsmienen, da scheinen die ganzen Körper die Musik zu zelebrieren, wenn die Musiker die Motive und Melodien ausdrucksstark und mit viel Emotion herausarbeiten.
Überraschung fürs Publikum


Ist es hier noch ein Konzert, das man als Zuschauer im Rahmen des Mosel Musikfestivals erwartet, so bieten die vier Musiker anschließend eine Überraschung. Denn man hört nicht alle Tage Folk-Musik, die von einem Streichquartett gespielt wird. Dänische und schwedische Stücke, die für Klavier, Gitarre und Akkordeon komponiert worden sind, interpretieren die vier Musiker auf ihre eigene Art und Weise. Besinnlich und voll schöner Kontraste kommen die manchmal an mittelalterliche Klänge und dann wieder an irische oder schottische Folk-Musik erinnernden Melodien daher, wenn beispielsweise die gestrichenen hohen Töne der Viola auf die gezupften tiefen Klänge des Cellos treffen. Fast meint man, bei einem Hochzeitslied das Brautpaar zum Altar schreiten zu sehen, so sehr leben die vier Musiker ihre traditionellen nordischen Stücke. Doch ändert sich die ausgelassene Stimmung nach der Pause abrupt, als das Danish String Quartet das Streichquartett Nr.15 es-moll op. 144 von Dimitri Schostakowitsch spielt, "Dark Music", wie sie es selber nennen.
"Größer kann der Kontrast nicht sein", kündigen sie eine Musik an, die die Zuschauer in eine depressive Gefühlswelt versetzt. Oft sind es nur ganz wenige langgezogene Klänge, mal so zart, dass sie kaum zu hören sind, dann wieder laut und intensiv, dass man unwillkürlich zusammenschrickt. Die langgestrichenen Celloklänge gleichen anhaltenden Schmerzen, die gezupften Töne auf der Viola und der Violine den dazu ausgestoßenen Klageschreien. Nur langsam erwachen die Zuschauer am Schluss aus dieser dunklen Welt, um dann umso begeisterter dem Danish String Quartet für diese Leistung zu applaudieren.
Es bedarf ausgezeichneter Einzelmusiker und eines perfekten Zusammenspiels, um die Zuschauer nach ausgelassenen Volksliedern in eine solch kontrastierende Stimmung zu versetzen. Das Danish String Quartet hat an diesem Abend gezeigt, dass sie beide Voraussetzungen erfüllt.

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