1. Region
  2. Kultur

Sebastian Böhm stellt seine Bildserie Kiew vor

Kunst : Tieftaucher in Sachen Farbe

Der US-amerikanische Maler Jackson Pollock (1912-1956) beschrieb seinen Zustand beim Malen so: „Wenn ich in meinem Bild bin.“ Dies gilt fraglos auch für Sebastian Böhm. Allerdings in umgekehrter Richtung.

Anders als für den amerikanischen Künstler ist für den Trierer Maler nicht das Anarchische, zufällige schöpferisches Grundprinzip, sondern ein höchst planmäßiges Vorgehen, das dennoch genügend Raum für Spontanes und die Unwägbarkeiten des Malprozesses lässt.

Vollkommen seinem Bild hingegeben ist Böhm beim Arbeiten. Wer das Werk des Trierer Malers kennt oder ihn schon einmal im Atelier besucht hat, weiß, mit welcher Intensität und Entschiedenheit er sich in seine Arbeit gleichsam versenkt. Die Farbe ist sein zentrales Anliegen. Ihre Bedingungen, Möglichkeiten, ihren Körper zu ergründen, ist er seit langem unterwegs. In ihre Tiefen taucht er.

Aus ihren vielfältigen Klängen schafft er nuancenreiche poetische Farblandschaften, aus denen bisweilen schemenhaft Figuren auftauchen. Dass der Maler bei seiner intensiven Arbeit die verordnete Corona-Ruhe ambivalent erlebt, mag nicht verwundern. „Natürlich fehlen mir Austausch und Begegnung“, sagt der Künstler. So nützlich digitale Kunstangebote auch sein könnten: „Das Erlebnis des Originals können sie nicht ersetzen.“

Den zwangsläufigen Rückzug ins eigene Atelier, die Herausforderung, auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, hat der Künstler gleichwohl als kreative Chance begriffen. Statt zu reisen, muss sich auch Böhm dieser Tage mit dem Depot seiner Erinnerungen begnügen. Derzeit arbeitet er in Serien, in denen er nicht nur seine künstlerische Auseinandersetzung konsequent fortsetzt, sondern auch Erinnerungsarbeit leistet.

So wie in der Serie „Kiew-Schema“ nach einer Ausstellung in der ukrainischen Hauptstadt. Mit seinen seriellen Gemälden hat es Böhm inzwischen mehrfach ins Stipendienprogramm „Im Fokus – 6 Punkte für die Kultur-Fokus Kultur“ des Landes Rheinland-Pfalz geschafft. Das vom Mainzer Kulturministerium aufgelegte Programm dient der Sicherung kontinuierlicher Kulturarbeit im Land während der Corona-Krise. Die Arbeitsstipendien sind mit jeweils 2 000 Euro dotiert.
Eva-Maria Reuther

Kontakt: sebastianboehm.eu