Seelenleben - in Ton gebrannt in Form gebracht,

Seelenleben - in Ton gebrannt in Form gebracht,

Das neue Jahr beginnt im Trierer Kunstverein Junge Kunst interkulturell. Dort zeigt die in Düsseldorf lebende japanische Künstlerin Naomi Akimoto neben einigen Zeichnungen ihre reizvollen keramischen Arbeiten.

Trier. Zum Jahresbeginn schlägt die Junge Kunst die Brücke von Europa in den Fernen Osten. Zu Gast im Trierer Kunstverein in der Karl-Marx-Straße ist die japanische Bildhauerin und Keramikerin Naomi Akimoto. Im Werk der Künstlerin, die 1967 in Osaka geboren wurde und seit 1997 in Deutschland lebt, verbinden sich alte japanische Handwerkskunst und das enge Verhältnis der fernöstlichen Kultur zur Natur mit europäischem Formverständnis.
Akimoto hatte zunächst in Kyoto Bildhauerei studiert und das Fach noch einmal an der Kunstakademie Düsseldorf aufgenommen, wo sie bis heute lebt. In Trier präsentiert die Künstlerin neben einigen Zeichnungen eine Auswahl ihrer keramischen Arbeit.
Der Umgang mit dem gebrannten Ton ist eine uralte und in Japan künstlerisch hochanspruchsvoll ausgeübte Technik. Auch Akimoto bestätigt im Begleittext: "Der Ton ist ein sehr schwieriges Material - wie eine tiefe Quelle, ohne Ende, wenn man wirklich damit umgehen möchte."
Wer sich die gezeigten Arbeiten und Kataloge der Bildhauerin anschaut, wird schnell feststellen: Die japanische Künstlerin schöpft diese Quelle vielfältig und einfallsreich aus. Akimotos Formensprache ist weitgehend die der Natur. Gleichwohl formt sie nicht einfach nach. Die organischen Formen sind für sie Ausdruck und Bild eigener Gefühle. Was flüchtiger Augenblick ist, Regung und Schwingung ihres Empfindens, wird so in Form gebracht, festgehalten und damit aus der Zeit genommen. Die emotionale Bewegung findet in den Trierer Arbeiten ihren überzeugenden Ausdruck.
Große innere Dynamik


Allesamt sind die Trierer Keramiken auf der Töpferscheibe entstanden. Dabei entwickelt Akimoto innerhalb einer klaren Architektur große innere Dynamik. Die ergibt sich zudem aus den sichtbaren Rillen des Entstehungsprozesses, die gleichermaßen Ornament wie veräußerte Bewegung sind. Bewegung entsteht auch durch die Ausstülpungen, Spitzen und Ausleger, die Akimotos Organismen ausbilden und in denen sie sich vervielfachen und verstärken.
Allerdings zeigt die Künstlerin nicht nur organische Formen. Ihre "Türme" beziehen sich unübersehbar auf die Tempelarchitektur ihrer Heimat. Die japanische Keramik ist seit jeher für ihre kunstvollen Glasuren berühmt. Auch Akimoto setzt als gestalterische Mittel zum Teil farbige Glasuren ein, die nicht nur die Form hervorheben, sondern sie sinnlich machen.
Die aktuelle Ausstellung in der Jungen Kunst ist eine stille, feinsinnige Schau. Ausgesprochen poetisch stellt sich Akimotos "Nest am Meer" dar, mit seinem seltsam schwarzen Ton-Wesen und den feinen Fäden, die sich wie ein Netz am Fenster hochziehen. Es lohnt sich, zur Vertiefung die ausgelegten Kataloge durchzusehen.
Die Ausstellung ist bis 20. Februar zu sehen, geöffnet Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung, täglich als Schaufenstergalerie, Telefon 0651/9763840.
Weitere Informationen auf <%LINK auto="true" href="http://www.junge-kunst-trier.de" text="www.junge-kunst-trier.de" class="more"%>

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