Seelische Grundreinigung: Malte Lücks "Manifest zum Reinen" im Palais Walderdorff in Trier

Seelische Grundreinigung: Malte Lücks "Manifest zum Reinen" im Palais Walderdorff in Trier

Gerade in der Osterzeit ist Malte Lücks künstlerisches Engagement für mehr Reinheit im eigenen Innern wie in der Welt sinnfällig. Derzeit widmet die Gesellschaft für Bildende Kunst dem Kölner Künstler eine Ausstellung.

Trier. "Dem Reinen ist alles rein" - das wissen wir vom Philosophen Friedrich Nietzsche und der hat es vom Apostel Paulus. Der Weg zur Reinheit ist bekanntlich beschwerlich und entsagungsreich. Vor den ultimativen Zustand der Reinheit haben die Weltreligionen zudem Hindernisse wie das Fegefeuer oder die langwierigen Umwege der Seelenwanderung gesetzt.
Malte Lück hat sich auf den mühevollen Weg gemacht. "Die Seele will rein sein", schreibt der Kölner Künstler in seinem "Manifest zum Reinen". Das klingt wie die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. An Mühen ist der studierte Architekt, der erst als Spätberufener zur Kunst kam, gewöhnt. Die Biografie des hoch gewachsenen Mannes mit dem schmalen, nachdenklichen Gesicht liest sich seit der Frühgeburt 1973 in Hagen wie ein einziger Leidensweg voller gesundheitlicher und sonstiger Rückschläge, vergeblicher Anläufe und Neuanfänge.
Da stellt sich wohl die Frage nach dem Wesentlichen irgendwann ganz von selbst. Der Augenblick der Erleuchtung kam für Malte Lück, als er den Flugplatz Hahn planen sollte. Keinen Ausweichplatz, sondern Entrümpelung brauche der Luftverkehr, ging ihm schlagartig auf. Aber nicht nur der Luftraum, die Erde und die gesamte Menschheit bedürfen einer Grundreinigung, erkannte Lück.
Fortan widmete der Künstler sein Leben dem "positiv Reinen". Darunter versteht er den Verzicht auf alles Überflüssige, Ausgeglichenheit und zwischenmenschliche Harmonie. Sie wiederum führten zum Göttlichen und zur Schönheit, sagt Lück, während im Geiste des Zuhörers ganze Scharen von Philosophen und Aposteln grüßen, von der Antike bis heute. Etwas Missionarisches hat Lück mit seinem Reinheitsgebot und seiner Forderung nach Umkehr.
Als Künstler ist er allerdings ein Prediger in Bildern, der zudem den eigenen Körper zur Bildschöpfung einsetzt. Seine Performance in Trier zum Thema Erlangung von Reinheit ist ein schlüssiges wie vieldeutiges Bild. Angekleidet wickelt sich Lück in eine weiße Leinwand, häutet, will heißen entkleidet sich darin und entsteigt ihr nackt und rein. Nicht nur, dass die Leinwand die angestammte Projektionsfläche des Künstlers ist. Lücks Metamorphose erinnert sogleich an die Verpuppung von Raupen und ihren Kokon. Mehr noch: Das weiße Leintuch und sein Aktivist können auch als Bild für Tod und Auferstehung gelten, ein dringliches Bild gerade zur Osterzeit.
Lück sei ein "anstößiger Künstler", heißt es in einer Kritik. Das bezieht sich sicher nicht auf seine Nacktheit als bildkünstlerisches Mittel. Eher schon auf seine unbequeme Sicht auf die Welt und ihre Verhältnisse sowie auf seinen künstlerischen Feldzug gegen eine geistig wie materiell verschmutzte Umwelt. Lück ist fraglos ein Idealist. Seine Botschaft ist kaum auf unmittelbare Umsetzung angelegt, aber ganz sicher wert, darüber nachzudenken.
Besucher können in der Galerie Lücks Performance als Video sehen. An den Wänden hängen als kleinformatige, ein wenig naiv wirkende Bilder Handlungsanweisungen für den nach Reinheit Strebenden. Im Obergeschoss dokumentieren ältere Arbeiten Lücks Werkprozess. Gerade in den Objekten ist die Nähe zum großen Vorbild Joseph Beuys deutlich.
Die Ausstellung ist noch bis 17. April zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 11 bis 13 Uhr, Dienstag, Donnerstag, Freitag 14 bis 17 Uhr, Telefon 0651/46824491, www.gb-kunst.de