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Selbstironische Power-Frauen

Selbstironische Power-Frauen

TRIER. Das nordische Power-Trio Gitte Haening, Wencke Myhre und Siw Malmkvist begeisterte am Freitagabend in der nicht ganz ausverkauften Europahalle rund 1000 Besucher. Mit Stimmgewalt, Parodie und einer ausgesprochenen Portion Selbstironie überzeugten die nicht mehr ganz jungen Damen.

Seit Jahrzehnten sind sie im Geschäft und gelten als Urgesteine des Schlagers und Jazz. Das sehen die drei nordischen Power-Frauen offenbar genauso. Schließlich ist Siw schon 70, ihre Kolleginnen sind zehn, elf Jahre jünger. Folgerichtig beginnt die vom Trierischen Volksfreund präsentierte Show mit Monumentalgetöse und einer markigen Stimme aus dem Off: "Seit 350 Millionen Jahren sind sie schon im Geschäft. Sie haben das Trias, das Mittelalter und sogar die Yellow-Press überlebt." Während sich das Publikum vor Lachen biegt, werden im Dusteren die drei gebückt sitzenden Show-Profis sichtbar. Als Großmütterchen schwatzen sie mit krächzenden Stimmen drauf los, sinnieren über das Alter an sich - und wollen schon beim Bau der Porta Nigra mit dabei gewesen sein. Rabenschwarze Selbstironie begleitet das mehr als zweistündige Programm. Gitte, Wencke und Siw können sich das leisten. Nach wie vor brillieren sie stimmlich, nur Siw geht am Ende der Show hörbar die Puste aus. Geschmeidig tänzeln sie über die Bühne, zu dritt, im Duett, solo. Mit "There´s no business like Showbusiness" zeigt Gitte ihre Stärke als Jazzinterpretin. Mal schnurrt sie wie die Katze auf dem Ofen, dann wieder röhrt sie mit vollem Einsatz.Parodie auf eine Diva

Auch Wencke macht Dampf. "Eine kräftige Stimme", lobt die Sitznachbarin und fragt sich, ob das wirklich alles live gesungen ist. Ist es tatsächlich. Mit der vorzüglichen Begleitband und Ex-Abba-Pianist Anders Eljas, Lebensgefährte von Wencke, swingt und jazzt die Gruppe munter durch den Abend. Kostümwechsel im Fünf-Minutentakt und jede Menge Klamauk.

So bei Siw, die eine köstliche Parodie auf eine Diva gibt und mit einem wandernden Mikrofon zu kämpfen hat. Ein Hauch schwedischen Sommers weht mitten in die Europahalle, als Gitte ein Volkslied intoniert. Doch die Späßchen und Slapstick-Einlagen im ersten Teil der Show überwiegen. "Das wäre mal eine Idee für Fastnacht", überlegt eine Besucherin im Nachgang eines Sketches der drei Nordlichter. Und sagt fast neidisch: "Die haben vielleicht Power." Das bestätigt sich auch im zweiten Teil des Abends.

In National-Kostümen und mit Wikingerhelmen auf dem Kopf stellen die Sängerinnen zur Gaudi des Publikums Betrachtungen zu skandinavischen Befindlichkeiten und Sprachgewohnheiten an. Ulknudel Wencke glänzt mit a-capella-Vorträgen. Und dann gibt das Trio richtig Gas. Gittes "Ich bin stark" hinterlässt Gänsehaut. Bei Knallern, wie Wenckes "Er hat ein knallrotes Gummiboot", Gittes "Ich will `nen Cowboy als Mann" und anderen Schlagern sind die Leute nicht mehr zu halten.