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Sensationsfund: Bernkastels römische Wurzeln

Bernkastel-Kues. Erstmals sind Überreste eines römischen Kastells an der Mosel gefunden worden und zwar in Bernkastel-Kues. Bei der Sanierung der mittelalterlichen Burg Landshut stießen Archäologen auf die spektakulären Überreste. Marion Maier

Bernkastel-Kues. Für Achim Wendt vom Heidelberger Büro für Bauforschung war die Untersuchung der Burg Landshut in Bernkastel-Kues reine Routine. Die Denkmalpflege hatte sie veranlasst, weil die Burg saniert werden sollte.
Doch dann stießen die Archäologen "ganz nebenbei" auf die Überreste eines römischen Kastells, vermutlich aus dem späten vierten Jahrhundert. Wendt, der auch schon in Syrien gegraben hat, war platt. "Das ist der bedeutendste Fund in meinen 25 Berufsjahren."
Auch Karl-Josef Gilles vom Rheinischen Landesmuseum spart bei der Pressekonferenz auf der Burg mit reichlich Kamerateams und Journalisten nicht mit Superlativen. Er spricht von einem "Sensationsfund". Die Gründe: Zum einen sei es die erste römische Burgbefestigung an der Mosel, die mit Mauerüberresten belegt sei. Zum anderen handele es sich um das "Princastellum". (übersetzt: erste Burg, gemeint ist in der Provinz Germania). Dieser Ort war bislang nur aus der Literatur des 8. Jahrhunderts bekannt. Von "Princastellum" leitet sich wohl auch der Name Bernkastel ab.
Für Stadtbürgermeister Wolfgang Port ist klar: "Wir müssen die Geschichte der Stadt neu schreiben." Laut Gilles könne man zu den mehr als 700 Jahren, auf die Bernkastel-Kues bislang geschätzt wurde, um die 1000 Jahre hinzurechnen.
Das Kastellum an der Mosel ist laut Gilles eine von mindestens 19 Bergbefestigungen, die etwa im 4. Jahrhundert oberhalb der Mosel angelegt wurden, um die Kaiserresidenz in Trier und die Wasserstraße Mosel zu schützen. Initiator war der erste in Trier residierende Kaiser Constantinus I.
Die Festung war äußerst massiv: Die freigelegten Mauern aus Quarzitsteinen sind 1,80 Meter dick. Die Anlage war rechteckig und 60 mal 30 Meter groß. Den Archäologen gelang es, den Grundriss zu rekonstruieren.
Dies war laut Maria Wenzel von der Direktion Landesdenkmalpflege möglich, weil die spätrömische Anlage von der mittelalterlichen Burg teilweise überbaut wurde. "Diese bauliche Verschränkung von römischer und mittelalterlicher Anlage ist so eng wie hier an keiner anderen Stelle im Moseltal sichtbar, sie ist einmalig", sagte Wenzel.
Bisher haben schon einzelne Funde wie eine nahezu vollständig erhaltene römische Gürtelgarnitur auf die militärische Nutzung des Bergsporns hingewiesen. Unweit der Burg wurden an einem Vorposten auch konstantinische Münzen entdeckt. Gilles meint: "Wir stehen erst am Anfang der Forschungen. Da kommt noch einiges auf uns zu." Der Wissenschaftler geht davon aus, dass es nun zu weiteren Grabungen im gesamten Moseltal kommt.
Die Stadt Bernkastel-Kues will die Funde der Öffentlichkeit zugänglich machen. Mit Hilfe von Schautafeln, multimedialen Elementen und einem Theaterstück soll die Geschichte den Menschen nahegebracht werden.
Jörg Lautwein vom Mosel-Gästezentrum sagt: "Die Funde steigern die Attraktivität der Burg enorm, auch die Straße der Römer wird dadurch enorm aufgewertet."

 Karl-Josef Gilles zeigt auf Überreste einer römischen Mauer der Burg Landshut (Foto links und oben Mitte). Römer und Mönch symbolisieren die Eckdaten der Geschichte bei der Pressekonferenz (oben rechts), bei der auch der römische Gürtel gezeigt wird (unten). Fotos: Marion Maier (3)/ Vermessungsbüro Buchholz (1)
Karl-Josef Gilles zeigt auf Überreste einer römischen Mauer der Burg Landshut (Foto links und oben Mitte). Römer und Mönch symbolisieren die Eckdaten der Geschichte bei der Pressekonferenz (oben rechts), bei der auch der römische Gürtel gezeigt wird (unten). Fotos: Marion Maier (3)/ Vermessungsbüro Buchholz (1)