Sensible Weltreise

Mit seiner Debüt-CD sorgt das Jazztrio Kalima für Furore. Mit der Luxemburger Sängerin Sascha Ley, der Saxophonistin Anne Kaftan aus Wittlich und der Kölner Pianistin Laia Genc haben sich drei Solistinnen der Extra-Klasse zusammengetan.

Schon das Coverdesign der CD-Hülle ist programmatisch: Ein Dschungel strahlender Farben, Blätter eines imaginären Baumes, kunstvoll und übergangslos miteinander verwoben, luftig und lichtdurchflutet.

Damit ist eigentlich alles Wesentliche über die Musik von Kalima gesagt. Vielfältig, von Easy Listening über Weltmusik bis zu Free-Jazz-Anklängen. Virtuos, mit ausgedehnten Profilierungsmöglichkeiten für die Solisten, die aber nie zu Lasten des Klanggefüges der Band gehen. Variabel, weil ihr breites Erfahrungsspektrum von Klassik, Jazz, Chanson, Pop den Musikerinnen eine angenehme Art von Souveränität und Reife verleiht, die man aus jedem Titel heraushört.

Es gibt, wie bei "Northern Light", wunderbar-sanfte Dialoge von Gencs Klavier und Kaftans Blasinstrumenten, in die sich Leys Stimme herrlich vorlaut einmischt. Ein Titel wie "Eyes closed" schafft es, Fragen offen zu lassen - und zwar nicht nur im Text, sondern auch in der Musik.

Und wenn man glaubt, man hätte eine Linie gefunden, wechselt das Trio plötzlich auf die Latin-Klänge und -rhythmen einer unglücklichen mexikanischen Liebesgeschichte ("Cucurrucucú Paloma"). Oder jettet in eine heftig pulsierende indische Metropole ("Bus to Regal").

Es mag ein subjektiver Eindruck sein, aber die CD kommt um so stärker rüber, je weniger die Musikerinnen versuchen, zirzensisch zu glänzen. Wer stimmliche oder instrumentelle Hochkoloraturen hören will, wird anderswo sicher noch eine Spur glanzvoller bedient. Wer aber Lust hat, sich auf eine gelungene musikalische Weltreise einladen zu lassen, mit Kalima als exzellentem Reiseführer, sollte die Debüt-CD nicht missen.

Dieter Lintz

Info: www.maskenada.lu