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Serie Die Kulturmacher: Schauspielerin Joya Ghosh

Porträt : Der schwere Weg zum Traumjob

Die Schauspielerin und Regisseurin hat sich in Trier selbstständig gemacht – und es nie bereut. Premiere am Freitag.

Der Traum war immer da, aber der Weg zum Ziel: ein einziges Gestrüpp, kaum zu finden. „Ich wollte immer Theater machen, das war immer in mir drin“, sagt Joya Ghosh. Auf die Bühne ging es aber erst spät für die Deutsch-Inderin, die in Stuttgart aufwuchs und im saarländischen Wadern ihr Abi machte. Eine Theater-AG? Gab’s damals nicht. Sie bewarb sich nach dem Abi um ein Vorsprechen in Saarbrücken, bekam einen Termin – und sagte ihn ab: „Ich war so schüchtern und hatte mich nicht getraut hinzugehen.“ Von der Schüchternheit, der Unsicherheit, ist längst nichts mehr zu spüren. Während des Spanisch- und Englisch-Studiums in Frankfurt wuchs die Erkenntnis, dass das Sprechen vor einer größeren Gruppe auch nur Übungssache ist. Sie ließ das Studium ruhen – später schloss sie es an der Universität Trier ab –, um an der privaten Schauspielschule GrenzArt in Frankfurt ihrem Traumjob ein ganzes Stück näher zu kommen. „Das war das Beste, was mir je passiert ist. Das möchte ich nicht missen – auch wenn es anfangs unglaublich hart war und ich lernen musste, Kritik anzunehmen.“

Was das Schwerste war? „Dass dir nichts peinlich ist. Auch wenn du über den Boden robben miauen musst.“ Diese harte Schule habe ihr auch menschlich gesehen viel gebracht. Nicht nur die Schüchternheit verschwand. „Ich war früher auch sehr konfliktscheu, das ist heute nicht mehr so.“

Die Rolle hat sich auch verändert für Joya Ghosh, die zwischenzeitlich auch als Journalistin in Frankfurt und Kaiserslautern gearbeitet hatte: Sie ist inzwischen auch verstärkt als Pädagogin gefragt, wenn sie als Regisseurin mit jungen Schauspielern zusammenarbeitet. „Das ist letztlich auch ein Handwerk. Du siehst zwar schnell, ob Talent vorhanden ist.“ Aber der Wille, hart an sich zu arbeiten, müsse da sein. Vor über drei Jahren hat sie  „Joya Ghosh & Friends“ gegründet. Der Ensemble-Name – der übrigens nicht ihre eigene Idee war – passt: Sie ist die einzige Konstante, die „Freunde“ wechseln. Mit einigen Schauspielern arbeitet Joya Ghosh regelmäßig zusammen, andere kommen über Castings aus allen Teilen des Landes. Aktuell steckt Joya Ghosh, die von 2016 bis 2017 als Regieassistentin am Theater Trier arbeitete (Ulf Frötzschner hatte sie damals engagiert), in den letzten Vorbereitungen zu „Nackt steh ich vor euch“. Die Monologcollage von Joyce Carol Oates wird am Freitag im Trierer Schmit-Z (Mustorstraße) Premiere feiern. Drei Schauspielerinnen – Joya Ghosh, Rosangela Ferraira und Ilka Becirevic – spielen in sechs Monologen Frauen, die auf die eine oder andere Art versehrt sind. „Sie haben entweder selbst Gewalt erlitten oder fügen sich selbst Gewalt zu. Eine ist hochschwanger und bald alleinerziehende Mutter, weil der Vater das Kind nicht will – sie hält einen inneren Monolog mit den ungeborenen Kind. Dann gibt es drei Go-Go-Tänzerinnen, die von einem Freier umgebracht wurden. Jede der Frauen hat einen Konflikt, den sie ausficht – und sie alle verbindet die Suche nach Liebe.“ Das ist das, was Joya Ghosh transportieren will, auch wenn das Stück teilweise traurig sei. „Liebe ist die Kraft, die das in Ordnung bringen kann. Wenn ihr euch oder andere Menschen liebt, kann das ganz viel auffangen und wettmachen. Ich mag es, wenn Theater dir was mitgibt und du beim Rausgehen noch ein gutes Gefühl in dir hast – auch bei einem dramatischen Stück.“

 Für die Regisseurin und Schauspielerin wird 2020 ein intensives Jahr. Nach „Nackt steh ich vor dir“ stehen mindestens vier weitere Produktionen an. Mit der Wiederaufnahme von Herrlich Trude – eine Hommage an Trude Herr gehen Joya Ghosh & Friends zudem in Rheinland-Pfalz auf Tour (Termine u.a. in Kröv und Trier). „Das stößt auf große Resonanz“, sagt sie über die Produktion, mit der sie vor zwei Jahren im Kasino Kornmarkt sehr erfolgreich war. Die Trude-Herr-Hommage ist schon vom Titel her selbsterklärend. Ganz anders sieht es bei der Produktion „Rotes Kaninchen, weißes Kaninchen“ des afghanischen Autors Nassim Soleimanpour aus, die im Juni an zwei Terminen im Kasino zu sehen sein wird. „Das ist mir in die Hände gefallen, das musste ich machen. Einfach, weil eine verrückte Idee dahinter steckt: Es ist ein Stück, bei dem kein gelernter Text da ist, es ist aber auch nicht improvisiert. Ein Darsteller geht am Abend der Aufführung auf die Bühne, bekommt einen Umschlag, in dem alle Anleitungen und der ganze Text drinstehen – und den packt er aus, während das Publikum schon da ist.“ So darf jeder Schauspieler das Stück nur einmal im Leben spielen. „Mal gespannt, wie das in Trier angenommen wird“, sagt sie.

Wie die (freie) Szene in Trier sei? „Das ist in den meisten Städten ähnlich. Ich denke, jeder will aus der Masse herausstechen, aber es ist natürlich totaler Quatsch, gegeneinander zu arbeiten, gerade in einem kleinen kulturellen Raum wie Trier. Es gibt immer mal wechselnde Allianzen. Das ist aber überall so, in anderen Städten ist es schlimmer. Das gehört dazu und fördert die Kreativität.“ Andreas Feichtner

„Nackt steh ich vor euch“: Premiere 28. Februar (ausverkauft), weitere Termine: 5.3., 8.3., 14.3. im SCHMIT-Z. Tickets bei ticket-regional. Infos: jgsfreunde@gmail.com. www.joya-ghosh.de