1. Region
  2. Kultur

Serie kinoklassiker: „Der große Diktator“: Charlie Chaplin in legendärer Doppelrolle

Filmklassiker : „Der große Diktator“: Charlie Chaplin in legendärer Doppelrolle

Die aktuelle Situation kann auch etwas Gutes haben. So finden einige Menschen Zeit für Kinoklassiker. In einer Serie stellen wir die schönsten vor. Heute: Chaplins Satire aus dem Jahr 1940.

Diese Filmlegende ist 80 Jahre alt  – eine Legende, zu der die „New York Times“ einst schrieb, aus einem bestimmten Blickwinkel handle es sich dabei vielleicht um den bedeutsamsten Film, der je produziert wurde. „Der große Diktator“ ist nicht nur Charlie Chaplins erster Dialogfilm (nach nicht minder großen Werken wie „Moderne Zeiten“ von 1936), nicht nur ein Film, in dem Chaplin in einer Doppelrolle brilliert, sondern auch die wohl bekannteste Filmsatire auf Adolf Hitler und die Verbrechen des Nationalsozialismus.  Chaplin spielt den an Hitler angelehnten völlig irren Diktator Andenoid Hynkel sowie einen, diesem Hynkel wie ein Zwilling gleichenden jüdischen Friseur. Chaplin, der den Film auch geschrieben und inszeniert und produziert hat, erzählt von einem fiktiven Land namens Tomanien. Ein Land, das in so manchem Aspekt an das sogenannte Dritte Reich erinnert: die Uniformen, das von Chaplin in einer tollen Kunstsprache parodierte wirre Geschrei und Gestammel des Diktators (teils vermag man Worte wie „Schnitzel“ oder „Sauerkraut“ herauszuhören), die größenwahnsinnigen Welteroberungsfantasien und nicht zuletzt: der schreckliche, der menschenverachtende Judenhass.

In die Kinogeschichte eingegangen sind Momente wie diese: der Diktator, wie er zu Wagner-Klängen mit einer Weltkugel eine Art Ballett aufführt. Eine famos choreografierte, ohne Schnitt gedrehte Friseurszene zu den Klängen von Johannes Brahms. Hynkels grotesk-lustige Begegnung mit Napoloni, einem an Diktator Mussolini erinnernden Fettwanst. Momente purer Slapstick-Lust (Polizisten werden per Bratpfanne ausgeschaltet) wechseln sich ab mit romantischen Szenen (Chaplins Jude verliebt sich in eine von Paulette Goddard gespielte Wäscherin) – und schließlich auch mit KZ-Szenen. Letztere wurden teils als zu harmlos kritisiert.

Chaplin selbst, im selben Jahr (1889) und Monat geboren wie Hitler, gestorben 1977, erklärte später: „Hätte ich damals von den tatsächlichen Schrecken der deutschen Konzentrationslager gewusst, hätte ich „The Great Dictator“ nicht machen können; ich hätte mich über den mörderischen Wahnsinn der Nazis nicht lustig machen können“.

Chaplin aber macht sich hier nicht nur lustig. Im sehr ergreifenden Film-Finale formuliert er auch so etwas wie ein humanistisches Gegenprogramm: Wir brauchen Menschlichkeit, heißt es da, aus dem Munde des jüdischen Barbiers, „we think too much, and feel too little“. Wir denken zu viel und fühlen zu wenig. Ein großer Moment in einem, an großen Momenten ohnehin reichen Film. dpa

Der Film ist zu sehen bei den Streaming­anbietern Amazon Prime und Google Play.

(dpa)