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Shakespeare, der Europäer

Shakespeare, der Europäer

Am Ende war der Beifall einhellig und freundlich: Das Premieren-Publikum am Samstagabend zog mit bei der ungewöhnlichen Version von Shakespeares Drama "Der Sturm", der ersten europäischen Koproduktion des Trierer Theaters.

Es ist schon einiges, was sich Regisseur und Intendant Gerhard Weber da vorgenommen hat: Drei verschiedene Sprachen auf der Bühne, von denen das Publikum zumindest eine überhaupt nicht kennt, Darsteller unterschiedlicher Nationalitäten, die miteinander spielen müssen, ohne dass sie sich verstehen. Und das bei einem Schauspiel, das - anders als eine Oper - allein von der Sprache lebt. Anfangs, bei einer langen Szene auf Portugiesisch, geht es auch nur mühsam vom Fleck.

Kein babylonisches Sammelsurium



Zumindest für die Zuschauer im unteren Drittel des Saals, die sich entscheiden müssen, ob sie lieber die Übertitelungsanlage in lichter Höhe betrachten wollen oder das Geschehen auf der Bühne - beides zusammen geht nicht. Aber irgendwann entfaltet Webers intelligentes Spiel mit der Sprache eine faszinierende Wirkung. Denn da waltet kein zufälliges babylonisches Sammelsurium. Auf eine kurze Formel gebracht: Da gibt es die Welt des Zauberers Prospero, durch Intrigen um sein Amt als Herzog in Italien gebracht, der mit seiner Tochter, einem Luftgeist und einem Sklaven auf einer Insel haust. Und da gibt es seine einstigen Widersacher, die er mittels eines Sturms an seiner Küste stranden lässt und die nun, ihrer Macht beraubt, hilflos auf dem Eiland umherirren.

In Trier ist es so eingerichtet, dass die Inselbewohner portugiesisch sprechen und die Gestrandeten Deutsch. Wo sie sich verständigen wollen, hilft auch schon mal das Original-Shakespeare-Englisch. Gerade da, wo die Welten aufeinander treffen, führt das oft zu originellen Theater-Effekten. Das Nicht-Verstehen verschiedener kultureller und gesellschaftlicher Gruppen, das den Kern des Stücks ausmacht, wird geradezu mit Händen greifbar.

Besonders die komödiantischen Momente, die Weber und seine Akteure genüsslich ausspielen, gewinnen an Tiefe und Kraft. Guy Lecat hat dafür eine wehrhafte, schroffe, beeindruckende Insel in den leeren Bühneraum gestellt, die sich drehen lässt und eine packende Spielfläche liefert für Prosperos menschliche Versuchs-Anordnung. Eine zwiespältige Hauptfigur, schwankend zwischen Rache-Furor und verzeihender Größe, ein edler Sklavenhalter, dessen Charakter in dieser Aufführung konsequent widersprüchlich bleibt. Luis Vicente spielt das mit so viel Pathos und Pose, wie man es auf deutschen Bühnen seit Gründgens-Zeiten nicht mehr so recht gewohnt ist - aber doch eindrucksvoll.

Herausragend aus dem Ensemble: Mário Spencer als Sklave Caliban. Ein aufmüpfiger, zorniger, saukomischer, naiver, hinterlistiger Knecht, schon ein Bote künftiger Aufstände gegen die Autoritäten, aber auch noch ein Halbwilder, der Götter zum Anlehnen sucht - Spencer macht ihn zu einer zentralen Figur des Stücks. Köstlich überdreht das Komiker-Duo Luc Feit (Trinculo) und Christian Miedreich (Stephano), nachdrücklich-prägnant der durch die Theater-Lüfte schwebende Geist Ariel von Carlos Pereira.

Stimmige Besetzung



Und auch die weitere Besetzung ist stimmig, vom plakativ-naiven Liebespaar Tânia Silva/Jan Brunhoeber bis zum Komödienstadel-reifen Schiffbrüchigen-Quartett Manfred-Paul Hänig, Peter Singer, Klaus-Michael Nix und Hans-Peter Leu.

Zum gelungenen Gesamteindruck des Abends trägt die stimmige, gut ausgewählte Bühnenmusik von Sebastian Matz bei, während die optischen Hintergrund-Projektionen eher so wirken, als habe man sie mal eben aus kostenlosen Internet-Beständen heruntergeladen. Unterm Strich aber - auch dank der Übersetzungs-Arbeiten von Maria Duran-Kremer - allemal eine Produktion, mit der sich die beteiligten Theater aus Trier, Portugal (Faro) und Luxemburg (TNL) auf europäischer Ebene sehen lassen können.

Weitere Aufführungen in Trier: 15., 16., 25., 26., 27. Februar. In Mamer/Luxemburg: 17., 18. Februar. In Portugal: 10., 11., 17., 18. Juni. Tickets: 0651-7181818