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Sie singt im Auftrag des Herrn

Sie singt im Auftrag des Herrn

Sie begann ihre musikalische Karriere in der Musical School, und bei Karnevalsauftritten in Trier und Umgebung. Nun wirkt Steffi Irmen in Berlin im Erfolgsmusical "Sister Act" mit. Am Sonntag ist Premiere.

Trier/Berlin. Das meinten ihre Eltern wahrscheinlich nicht, als sie ihr sagten, sie solle "etwas Richtiges" machen: Steffi Irmen singt mit beim Musical "Sister Act", das auf dem gleichnamigen Musikfilm mit Whoopi Goldberg basiert. Am Sonntag feiert das Stück Premiere in Berlin. "Ich war die ganze Zeit ruhig, aber in der Nacht vor der Generalprobe bin ich schon sehr nervös geworden", gesteht Irmen.
Doch damit kann sie umgehen. Denn der Anfang ihrer musikalischen Karriere in Trier hat die 28-jährige Sängerin vor allem eines gelehrt: Selbstvertrauen. "Dieses ständige ‚Mach etwas Richtiges‘ kann einen ganz schön runterziehen, bis man denkt, dass es gar nicht funktioniert", erzählt sie. In ihrer Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau im elterlichen Betrieb war Irmen nach ein paar Jahren "todunglücklich". Doch als die Musical School in Trier eröffnete, gab es für sie kein Halten mehr. Sie bekam Unterricht in Gesang, Schauspiel und Tanz. Erste Auftritte stärkten ihr Selbstvertrauen und das Bedürfnis, Musik zu machen.
Ihren allerersten größeren Auftritt absolvierte Irmen beim Karneval in Trier. "Ich gehörte zur Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Ehrang, und wir schenkten einem Prinzenpaar von Blau-Weiß Ehrang Musik zur Inthronisierung." Danach stellte sie ihr Talent immer wieder in der närrischen Jahreszeit unter Beweis - aber nur selten mit klassischen Karnevalsliedern. "Ich habe vor allem Musical-Songs gesungen", erzählt Irmen. "Dem Publikum gefällt es, wenn mal was anderes gesungen wird. Und die Leute sind auch aufmerksamer, wenn man nicht zum 1000. Mal ‚Die Hände zum Himmel‘ schmettert."
Aber auch als Hochzeits- und Eventsängerin sowie als Nachwuchstalent in der Sendung "SWR on Tour" feierte sie Erfolge. Bald folgte sie ihrem Traum vom Singen nach Hamburg, wo sie an der Stage School eine intensive dreijährige Ausbildung absolvierte.
Mit der Rolle in "Sister Act" sei ihr der Karrieresprung erst richtig gelungen, sagt die Sängerin. Wie lief das ab? "Man schickt erst mal Vita und Foto ein - wie Hunderte andere Mitbewerber. Und wenn der erste Eindruck stimmt, wird man zum Vorsingen und Vortanzen eingeladen."
"Kleines Wunder auf der Bühne"


Irmen hat sich in den vergangenen Jahren bereits bei zwei anderen deutschen Produktionen des Musicals beworben, beim dritten Mal hat es endlich geklappt. "Gerade in diesem Job entwickelt man sich immer weiter und hört nie auf zu lernen", erklärt Irmen. Auch als sie selbst Gesang unterrichtet habe, habe sie viel mitgenommen von ihren Schülern. "Man lernt aus jeder Begegnung."
In "Sister Act" spielt und singt Irmen die Rolle der Schwester Mary Lichter. Zudem ist sie die Zweitbesetzung für die Rolle der Schwester Mary Patrick. "Das Stück macht unheimlich viel Spaß, man kann richtig Gas geben. Und auch als etwas dickere Frau kann man mitspielen, das ist sogar erwünscht, denn es soll kleine, große, dicke und dünne Nonnen im Ensemble geben."
Hat sie eine Lieblingsszene? "Die Chorprobenszene ist sehr, sehr stark. Da lernen die Nonnen zum ersten Mal, wie sie durch die Musik richtig aus sich heraus können. Da geschieht ein kleines Wunder auf der Bühne. Eine entzückende Szene - mit einem tollen Song für Ohr und Herz."