"Sie werden begeistert sein"

"Sie werden begeistert sein"

Das Trierer Theater startet am kommenden Samstag unspektakulär, aber künstlerisch anspruchsvoll in die neue Spielzeit. Mit der Oper "A Midsummer Night’s Dream" nach dem gleichnamigen Drama von William Shakespeare steht eins der reizvollsten modernen Musiktheaterstücke auf dem Trierer Spielplan.

Trier. Über Shakespeare, Britten und den "Sommernachtstraum" sprach TV-Mitarbeiter Martin Möller mit Regisseur Sam Brown und Dirigent Victor Puhl."Ein Sommernachtstraum" - damit assoziieren die Musiktheaterfreunde Mendelssohn, vielleicht auch Henry Purcell. Was ist anders in Benjamin Brittens Shakespeare-Oper?Sam Brown: Es ist eine Oper und keine Schauspielmusik wie bei Mendelssohn und keine Semi-Opera wie bei Henry Purcell. Britten und sein Lebenspartner, der Tenor Peter Pears, haben Shakespeares Text gekürzt und neu eingerichtet und daraus ein Musikdrama gemacht.Victor Puhl: Wir haben vor drei Jahren Peter Grimes von Britten im Trierer Theater aufgeführt - und jetzt eben den Sommernachtstraum. Ich bin darüber sehr froh. Peter Grimes war ein großer Erfolg, und das versprechen wir uns auch vom Sommernachtstraum. Britten hatte ein sehr gutes Gefühl für die Bühne. Darum gibt es in dieser Oper auch Ballett.Aber worin liegen die stilistischen Unterschiede?Brown: Britten hat als junger Mensch Mendelssohns Musik zum Sommernachtstraum mitgespielt und das Stück sehr geliebt. Und Jahre später hatte er die Idee, diese Oper zu schreiben. Mendelssohn war der Anlass dazu.Puhl: Britten charakterisiert bestimmte Bereiche deutlich in seiner Musik. Die Sphäre der Feen zum Beispiel klingt hell und leicht.Nun hat Shakespeares Drama ja zwei Seiten - die helle, leichte der Elfen und Feen und eine dunkle Seite des Obskuren, des nicht so ganz Geheuren. Mister Brown, worauf zielt Ihr Regiekonzept?Brown: Ein polnischer Autor, Jan Kott, hat in den 1960er Jahren in seinem Buch "Shakespeare heute" auf die beiden Seiten im Sommernachtstraum aufmerksam gemacht. Britten hat das Buch nicht gelesen, aber dessen Idee schlägt sich trotzdem in seiner Oper nieder. Es ist ein "Post-Freudian Understanding", ein Verstehen dieses Dramas nach Freuds Entwicklung der Tiefenpsychologie. Daran kommt keine Shakespeare-Inszenierung mehr vorbei. Meine Regie orientiert sich nicht nur an Text und Musik, sondern auch an Kotts "freudianischem" Shakespeare-Verständnis.Gibt es diese beiden Schichten auch in der Musik?Puhl: Es ist ein Feenstück, aber es gibt bei Britten auch eine dunkle Seite. Das unterscheidet seinen Sommernachtstraum übrigens deutlich von Mendelssohn. Britten gibt den Figuren und Situationen immer bestimmte Orchesterklänge mit, fast wie Leitmotive. Bei den Liebhabern zum Beispiel sind es die Holzbläser und beim Elfenkönig Oberon sind es Celesta und Streicher.Man kann sich als Zuschauer also an den Orchesterklängen orientieren?Puhl: Ja, absolut. Nach einem kleinen Prolog beginnt die Oper mit Streicher-Glissandi, "mysterious" heißt es in der Partitur.Brown: Der Wald hat in diesem Stück etwas Gefährliches, etwas Unheimliches.Britten verwendet im Sommernachtstraum einen Countertenor ...Brown: Er hat die Partie für Alfred Deller geschrieben. Der war kein Countertenor, wie wir ihn heute kennen, sondern ein sehr hoher Tenor. Für einen modernen Countertenor liegt die Partie sehr tief und ist deswegen nicht ganz einfach zu singen.Aber Countertenor, das ist ja eine ganz spezielle Vokalfarbe. Was hat die mit dieser Oper zu tun?Puhl: Das hat zu tun mit den Feen. Es sind eben keine Menschen. Sie kommen aus einer anderen Welt. Darum der Countertenor-Klang.Brown: Es gibt im Stück einen Knabenchor und eben den Countertenor. Es gibt eine klare klangliche Unterscheidung zwischen Feen und Sterblichen. Das unterstreicht den Kontrast zwischen beiden Welten.Puhl: Und wir haben glücklicherweise seit vier Monaten im Theater einen Kinderchor. Der singt mit und ist grandios vorbereitet. Chorleiter Martin Folz hat da Unglaubliches geleistet. Die Jungen und Mädchen sind begeistert dabei. Und sie singen nicht nur, sondern können auch sehr gut spielen.Noch eine Frage: Warum soll ein Theaterfreund in diese Oper gehen? Warum Britten, wenn es Mendelssohn gibt? Was würden Sie ihm sagen?Puhl: Nach den Erfahrungen, die wir mit "Peter Grimes" gemacht haben, kann ich ihm sagen: Sie werden begeistert sein. Wir sind gut vorbereitet und arbeiten sehr genau. Da haben wir allen Grund zum Optimismus.Benjamin Britten, "A Midsummer Night's Dream". In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Dirigent: Victor Puhl, Inszenierung: Sam Brown. Choreographie: Hannes Langolf. Mit Fritz Spengler (Oberon), Frauke Burg (Titania), Paul Hess (Puck), Laszlo Lukacs (Theseus). Premiere am Samstag, 24. September, um 19 Uhr: Weitere Vorstellungen am 28. September sowie am 8., 14., 16., 21., 25., 28. und 30. Oktober

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