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Sinfoniekonzert zeigt erst spät scharfes Profil

Sinfoniekonzert zeigt erst spät scharfes Profil

Das 2. Sinfoniekonzert im Trierer Theater lief vor knapp 600 Besuchern einigermaßen mühsam an. Aber Oboensolist Thomas Hecker und das engagierte Dirigat von Christian Lorenz bei Schuberts Fünfter gaben der Veranstaltung dann doch scharfes Profil.

Trier. Ob es eine gute Idee war, Aaron Coplands "Appalachian Spring" aufs Programm des 2. Sinfoniekonzerts zu setzen? In der übertrockenen Theater-Akustik zerfasern die kräftigen Klangfarben dieser Ballettsuite in ausdruckslose Einzelheiten. Gast Christian Lorenz dirigierte zudem zwar energisch an gegen das Klischee trivialer Klangmalerei, biss sich jedoch am Detail fest und kämpfte sich eher mühsam durchs Dickicht der Bläser-Einwürfe und der häufigen Taktwechsel.
Auch dem Oboenkonzert KVt314 von Mozart war nicht in allen Teilen Glück beschieden. Dirigent und Orchester konzentrierten sich aufs sorgfältige Begleiten und verzichteten in den Tutti-Stellen auf Impulse.
Wenn da nicht Thomas Hecker gewesen wäre! Der junge Oboensolist gibt seinem Instrument eine Beweglichkeit, einen Klangglanz, eine Nuancenfülle und eine heitere Eleganz mit, die alles Problematische vergessen lassen. Bohuslav Martinus\' schwieriges Oboenkonzert nach der Pause: Mit Ausnahme des diffusen Einstiegs zum dritten Satz finden auch Dirigent und Orchester den Stil des Werks mit seiner eigentümlichen Verbindung aus dunkel gefärbter Wehmut, versponnener Intimität und tänzerischem Schwung.
Dann Schuberts Fünfte. Christian Lorenz ist sichtlich vertraut mit dieser Musik. Er dirigiert sie ohne jede Reserve aus - detailreich in der Gestik, engagiert, stellenweise überengagiert. Und wo der Dirigent sein Herzblut einbringt, da klingt auch das Orchester anders - frei, beweglich und mit dem gewohnt schlanken, hellen Grundklang. Im Menuett klingt Haydns expressive Moll-Sinfonik mit und in der Anfangs-thematik Mozarts unvergleichlicher, betörender Bläsersatz. Und wenn in der Mitte des langsamen Satzes die versöhnliche Stimmung ins Tragische umschlägt, dann klingt ein zentrales Motiv der Romantik an - das Ferne in der Nähe, das Fremde im Vertrauten. - Die Besucher waren davon sehr angetan. mö