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Singen aus ganzer Seele

Trier-Ehrang. Am 28. Dezember 2016 jährte sich der Todestag von Peter Roth-Ehrang zum 50. Mal. Der Männergesangverein Trier-Ehrang erinnert am 20. Januar, 20 Uhr, im Bürgerhaus Ehrang an den Bassisten, der zu den Großen seines Fachs gehörte und dabei die Verbindung zu seiner moselländischen Heimat nie aufgab. Martin Möller

Trier-Ehrang. Es muss ein großes Erlebnis gewesen sein, Peter Roth-Ehrang zu hören.
Franz Grundheber schildert die erste Begegnung mit ihm so:
Peter Roth, der sich nach Überwindung bürokratischer Hindernisse Roth-Ehrang nennen durfte und damit seine geliebte Heimat im Familien-Namen führte, muss ein Sänger von großer Überzeugungskraft gewesen sein. Jürgen Kesting rühmt in seinem mehrbändigen Sängerlexikon "die Fülle und Schönheit seiner Stimme". Eine 2004 erschienene CD gibt davon ein eher schwaches Abbild. Aber selbst die aus verschiedenen LPs der 1950er und 1960er Jahre überspielten Aufnahmen dokumentieren eine beeindruckende Kultur und Kraft, eine enorme stimmliche Präsenz, eine berückende Natürlichkeit in Ausdruck und Diktion. Kein Wunder, dass die großen Opernhäuser auf Peter Roth-Ehrang aufmerksam wurden. Rasch sang er neben Größen wie Fritz Wunderlich, Rudolf Schock, Birgit Nilsson und Anneliese Rothenberger und avancierte, noch jung an Jahren, zum Kammersänger. Wieland Wagner holte Roth-Ehrang 1960 nach Bayreuth. Exzellent sein Fafner im Rheingold und, vor allem, im Siegfried. Der Fafner ist bei Roth-Ehrang kein Unhold, sondern so etwas wie ein Naturereignis und dabei sängerisch erstaunlich kultiviert. Die CD dokumentiert zwar nicht den Wagner-Sänger Roth-Ehrang, aber dafür einen überaus vielseitigen Künstler. Bei ihm hat Mozarts Sarastro Fülle und Ausdruckstiefe und bleibt dabei frei von pseudo-sakralen Allüren. Egal was Roth-Ehrang sang, ob geistliche Musik, Oper, Operette, Lied, deutsches oder italienisches Fach - stets klingt diese Stimme frei und ungezwungen. Die gewiss nicht bedeutenden Weinlieder adelt er durch eine Leichtigkeit, die man diesem schweren Bass gar nicht zutrauen möchte. Wenig bekannt ist: Roth-Ehrang wagte sich sogar in die alte Musik. Auf der legendären Ersteinspielung von Monteverdis Oper "Orfeo", von 1955 unter August Wenzinger mit Helmut Krebs und dem jungen Fritz Wunderlich, singt er den Unterwelt-Fährmann Charon (Caronte). Der versperrt Orfeo den Zugang zum Hades, schläft bei dessen Gesang ein und gibt ihm dadurch den Weg frei. Roth-Ehrang zeigt in dieser für ihn ungewöhnlichen Rolle ein erstaunliches Stilgefühl. Er gibt dem Caronte Statur und Strenge mit und ist doch im Verbund mit den historischen Instrumenten und deren leise-zurückhaltendem Klang enorm anpassungsfähig.
Erinnerungen an Roth-Ehrang


Jetzt erinnern der Männergesangverein 1880 Ehrang unter Reinhold Neisius und Bassbariton Horst Lorig mit einem Gedenkkonzert an diesen großen, halb vergessenen Sänger. Es findet statt am Freitag, 20. Januar um 20 Uhr im Bürgerhaus Ehrang (Henry-Zingen-Halle). Franz Grundheber, der gerne gekommen wäre, hat zurzeit in Hamburg den Moses in Schönbergs "Moses und Aron" übernommen. Auf dem Programm des Ehranger Konzerts stehen unter anderem der Priesterchor aus Mozarts Zauberflöte, sowie Kunstlieder von Franz Schubert, Robert Schumann und dem Trierer Komponisten Karl Werding. Katharina Schmitt, Enkelin von Roth-Ehrang und mittlerweile angesehene Regisseurin, trägt die Abschiedsrede von Intendant Rolf Liebermann zur Beisetzung des Sängers vor. Eine Videopräsentation dokumentiert Leben und künstlerische Leistung von Peter Roth-Ehrang - unter anderem mit einem Ausschnitt aus Verdis "Maskenball", Hamburg 1963.
Gedenkkonzert für Peter Roth-Ehrang, Freitag, 20. Januar, 20 Uhr, Bürgerhaus Ehrang. Musikalische Leitung: Reinhold Neisius, Moderation und Gesang: Horst Lorig, Klavier: Peter Steines. Der Eintritt ist frei. Karten unter 0651/69084.
Extra

Peter Roth-Ehrang, geboren am 8. Juni 1925 in Ehrang, heute Trier-Ehrang. Er hatte Unterricht bei Kurt Prasse in Trier und Paul Lohmann in Berlin. Bühnendebüt 1950 in Trier als Eremit im "Freischütz". 1952- 1954 wirkte er am Opernhaus Leipzig. Seit 1954 große Erfolge, vor allem im Wagner-Repertoire, an der Deutschen Oper Berlin. 1960-1964 Wagner-Festspiele in Bayreuth (Fafner in Rheingold und Siegfried). Seit 1959 Mitglied der Hamburger Staatsoper. Gastspiele an großen Opernbühnen, unter anderem der Staatsoper Wien. Peter Roth-Ehrang starb am 28. Dezember 1966 mit 41 Jahren an einem Herzinfarkt. mö

FOTO: (g_kultur