| 20:34 Uhr

Skulpturen im Dialog

Bitzigeios Kugel aus der Serie „Steeladdition“ TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Bitzigeios Kugel aus der Serie „Steeladdition“ TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Oberbillig. Natur und Kunst treffen sich einmal mehr in Werner Bitzigeios und Robert Stephans Arbeiten in der Galerie Contemporanea in Oberbillig (Verbandsgemeinde Konz). Die Schau ist noch bis zum Wochenende zu sehen. Eva-Maria Reuther

Oberbillig. Seine eindrucksvollen braunen Stahlkugeln sind nicht wetter-, dafür sonnenwendig. Einer Sonnenuhr gleich zeigen ihre Schatten den Sonnenstand an. Dem Wetter hingegen trotzt der verwendete Kortenstahl. Wie eine stumpfe Schutzschicht schirmt ihn der Rost nach außen ab, so dass er im Innern mit Würde altern kann.
Werner Bitzigeio (Jahrgang 1956) ist einer, der seit langem die Kunstlandschaft der Region gestaltet. Das gilt gleichermaßen für das Biotop der Ideen wie für den realen öffentlichen Raum und die Natur, die sich im Dialog mit seinen Arbeiten neu als Landschaft definiert. In der Galerie Contemporanea zeigt der in Winterspelt (Verbandsgemeinde Prüm) lebende Künstler jetzt eine Auswahl seiner Arbeiten. Sie stehen im Dialog mit den Holzskulpturen des aus Straßburg stammenden Holzbildhauers Robert Stephan.
Filigrane Kugelgebilde


Einmal mehr wird hier deutlich: Bitzigeios reizvollste Arbeiten bleiben seine Kugelplastiken. Das gilt für die kompakteren und dennoch eleganten aus der Serie "Steeladdition", bei denen die Öffnungen der verschweißten Eisenrohre wie ein Ornament wirken, vor allem aber für die feinen Gitter-Kugeln. Virtuos geht Bitzigeio mit dem Eisendraht um und verarbeitet ihn zu filigranen schwerelosen Kugelgebilden. Wie von selbst fügen sie sich in ihr natürliches Umfeld ein. Mehr noch: sie machen die Natur zum Mitspieler und Dramaturgen. Das Licht, der Wind, das Grün der Blätter fängt sich im Gitterwerk der transparenten Kugeln und füllt ihre Leerräume. Der Metallbildhauer schafft überzeugend, was der ewige Romantiker Goethe in der Kunst suchte: den Widerschein der Natur.
Das gilt auch für Robert Stephan und seine Holzskulpturen. Der im Elsass lebende Künstler präsentiert in Oberbillig schmale, hochragende Holzskulpturen und gestaltete Platten aus gesägtem Tannen- und Pappelholz. Die mit Kerben, Vorsprüngen und Farbe versehenen und als Installation arrangierten Holzstäbe erinnern an prähistorische Denkmale und die rituellen Stätten von Naturvölkern. Im Oberbilliger Galerieraum wirken sie etwas unbeholfen und domestiziert. Sehr gelungen kommen hingegen Stephans "Platten" mit ihrem Gitterwerk, ihren Rastern und senkrechten Streifen daher. Dem toten Holz hat der 1943 geborene Künstler seiner Struktur gemäß eine neue Sprache gegeben, die sich - sichtbar in Verwindungen und durchscheinendem Licht - im Spannungsfeld zwischen Natur und Kultur äußert.
Die Ausstellung ist noch bis 4. Juni zu sehen, danach nur noch nach Terminvereinbarung. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags, 15 bis 19 Uhr, und nach Vereinbarung. Kontakt: Telefon 06501/12297, Internet www.contemporanea.de