So geht Marx in Trier von der Bühne

Ausstellungen : So geht Marx in Trier von der Bühne

Die Ausstellungen in den drei Museen schließen in diesen Tagen. Aber Marx ist nicht totzukriegen.

War’s das jetzt? Na ja, nicht wirklich. Manfred Langner hatte zwar zur Abschiedsfeier in sein Theater eingeladen, und rund 400 Zuschauer nebst zahlreicher Prominenz aus Stadt und (Bundes)Land, darunter auch Nordrhein-Westfalen, waren erschienen. Aber Marx ist ja nicht totzukriegen, auch wenn die Ausstellungen in den drei Museen in diesen Tagen schließen. Doch das offizielle Programm listet noch zahlreiche Veranstaltungen bis zum Jahresende auf.

Nichts gegen das Theater – wenn auch das Foyer nicht wirklich der beste Ort für diese Veranstaltung war, denn wer am Ende des langgestreckten Saals stand, bekam nur wenig von dem mit, was auf dem Podium weit vorne vor sich ging. Das waren ein paar launische Chansons des Trierer Duos Hennich & Hanschel, das sich über Kommunismus und Kommerz ausließ, sowie einige Ausschnitte aus den marx-affinen Theaterproduktionen etwa von Tufa und Bühne 1, über deren Qualität, sowohl inhaltlich als auch schauspielerisch, sich trefflich streiten ließe.

Nach diesen Einblicken verfestigt sich das Urteil, dass man auf der Bühne mit Karl Marx keinen Blumentopf gewinnen kann – egal, ob man ihn nun pseudo-kabarettistisch oder musikalisch zu fassen versucht. An Marx scheiterten weltweit schon andere Theater- und Filmregisseure (vgl. „(K)ein Mann für Film und Bühne“ im TV vom 15. Juni), und auch das Theater Trier hat mit seinem „Marx‘ Bankett“ von Joshua Sobol nicht wirklich das letzte Bühnenwort über den Philosophen und Weltrevolutionär gesprochen.

Die eigentlichen Gewinner dieses Marx-Events waren die Museen und die Stadt Trier selbst, die mit dem Pfund, das deren (bis vor kurzem noch) ungeliebter Sohn ihr hinterlassen hat, ordentlich zu wuchern verstanden.

Das Marx-Denkmal, erst umstritten, dann zähneknirschend aufgestellt, hat sich zu einem veritablen Touristen-Magneten entwickelt; keine Stadtführung, die an diesem Monument vorbeikommt (sozusagen), denn es hat sich längst zum unbestrittenen Selfie-Hotspot entwickelt. Auch die drei Museen konnten sich über zwar nicht gigantische, aber doch sehr ordentliche Besucherzahlen freuen (siehe Info). Gewinnerin des Abends dürfte Elisabeth Neu sein, die Leiterin des Karl-Marx-Hauses. Besucher aus 88 Nationen, verkündete sie mit berechtigtem Stolz, hätten in dieser Saison den Weg in die Brückenstraße gefunden.

Rudolf Hahn, Koordinator des Jubiläumsprogramms, konnte gemeinsam mit Intendant Manfred Langner fünf Herren aus der lokalen und überregionalen Politik begrüßen. Kulturdezernent Thomas Schmitt, Konrad Wolf, rheinland-pfälzischer Minister für Wissenschaft und Kultur, sowie Kurt Beck, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung äußerten sich unisono ausgesprochen positiv über den weit über die Landesgrenzen hinaus ausstrahlenden Erfolg dieses Marx-Jahres. Anschließend wünschte OB Wolfram Leibe seinem Kollegen Andreas Mucke viel Erfolg für das „Engelsjahr“ 2020, mit dem Wuppertal seinen berühmten Bürger (bereits ab November 2019) feiert. Dafür gab Leibe dem OB aus dem Bergischen eine Mini-Marx-Figur mit, der sich mit einem ebenso kleinen Engels revanchierte. Mucke versprach zahlreiche Aktivitäten, wollte oder konnte jedoch noch keine Einzelheiten nennen. (Vielleicht plant man in der Schwebebahnstadt ja eine Neuauflage des Welterfolgs „Der blaue Engels“.)

Wer nicht vom Geschehen auf dem Theaterpodium in Bann gezogen wurde, und das waren gegen Ende der Veranstaltung immer mehr, konnte zumindest an deren Rand einige interessante Begegnungen machen. Zum Beispiel mit einem ziemlich echten Karl Marx (Stadtführer Henning Laufer), der stilgerecht in Bratenrock und mit weißbeknauftem Gehstock über den Theaterrasen bummelte und das Gewusel um seine Person amüsiert zur Kenntnis nahm. In den Unterhaltungen mit ihm kamen nicht nur philosophische, sondern auch sehr bodenständige Themen zur Sprache.

Auf die Frage einer Besucherin angesichts des üppigen Bartes – über  dessen Echtheit sie sich mit einem beherzten Griff ins weißgraue Geflecht überzeugen durfte –, wie man mit diesem Gesichtsschmuck gefahrlos Nudeln mit Tomatensoße essen könne, antwortete Marx, dass er durchaus achtsam geworden sei, wenn es um die Nahrungsaufnahme gehe. Und überhaupt habe es bei ihm zu Hause ja ohnehin  nicht so viel zu essen gegeben …

Hunderte haben das Marx-Jubiläumsjahr im Theaterfoyer mit einem Fest beendet. Foto: TV/Dirk Tenbrock

Auch wenn die Marx-Verantwortlichen am Ende des Jahres mal kurz verschnaufen können – wirklich zur Ruhe kommen sie nicht. Demnächst in diesem Theater: Der Untergang des römischen Reiches.

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