1. Region
  2. Kultur

So steht es in der Corona-Krise um den MJC Mergener Hof

Veranstalter : Blick hinter die Kulissen: So steht es in der Corona-Krise um den MJC Mergener Hof

Kulturschaffende in der Region geraten wegen der Corona-Krise in finanzielle Schieflage. Exemplarisch blickt der TV auf die Situation des MJC Mergener Hof in Trier – bei dem mehr als Konzerte auf dem Spiel stehen.

Verlegt! Verlegt! Verlegt! Ausrufezeichen verstärken das momentan vorherrschende Wort auf der Internetseite des Jugend- und Kulturzentrums MJC Mergener Hof in Trier. Die Corona-Krise und das damit einhergehende Veranstaltungsverbot haben Auswirkungen auf alle Events des Vereins mit Sitz in der Trierer Rindertanzstraße. Eine Situation, die Kulturschaffende in arge finanzielle Schieflage bringt – so auch den MJC, der seit Jahrzehnten unter anderem in der Kinder- und Jugendarbeit, dem Sport und der Kultur aktiv ist.

Die Situation: „Es ist schon ein sehr großer Einschnitt“, sagt der Hausleiter der MJC, Kai Wichmann, auf TV-Nachfrage. Momentan versuche man, alle Veranstaltungen auf andere Termine zu verlegen. Dabei kommen dem lokalen Veranstalter aber auch globale Regelungen in den Weg: „Bei internationalen Künstlern wissen wir nicht, wie die Einreisebestimmungen sind, das macht die Planung schwerer.“ Hinter vielen Events steckt laut Kai Wichmann lange Vorbereitungsarbeit: „Da frustriert es schon sehr, diese absagen oder verschieben zu müssen.“

Bis hierher ist das eine unschöne Situation, die den MJC aber nicht von anderen privatwirtschaftlichen Veranstaltern unterscheidet. Dieser Kontrast wird bei den weiteren Angeboten deutlich, die am Tropf gut besuchter Veranstaltungen hängen.

Die Probleme: Denn der Mergener Hof versucht mit den Einnahmen aus diesen Events nach Aussage von Hausleiter Wichmann nicht, sich „goldene Wasserhähne zu finanzieren“. Mit den Geldern werden die pädagogischen Angebote des Vereins möglich gemacht. Zwar erhält die MJC öffentliche Zuschüsse, diese decken aber nicht die nötigen Mittel, um den Betrieb weiterzuführen. Ein großer Teil der Einnahmen stammt alleine aus dem Veranstaltungssektor, dieser ist „von Hundert auf Null komplett weggebrochen“.

Kosten wie die Miete für das Gebäude in der Rindertanzstraße fallen auch in der aktuellen Zeit an. Geplante Umbaumaßnahmen wie die Verbesserung der Akustik im Veranstaltungsraum (der TV berichtete) sind momentan verschoben.

Mittagessen Mergener Hof Foto: TV/Katja Bernardy

Auch die Personalkosten für die 13 festangestellten Mitarbeiter des Mergener Hofs können aus den öffentlichen Zuschüssen nicht gedeckt werden. „Da müssen wir schauen, wie wir über diese Zeit kommen.“

Eine sehr wichtige Einnahmequelle sind die Ferienangebote. Nachdem die Veranstaltungen in den Osterferien schon ausgefallen waren, stehen nun auch die Sommerfreizeiten auf der Kippe. Darunter fallen unter anderem die beiden Zirkusfreizeiten, anhand derer sich auch das finanzielle Risiko skizzieren lässt. Beide Angebote sind mit jeweils 100 Teilnehmern ausgebucht, Nichtmitglieder zahlen 140, Mitglieder 130 Euro. Allein aus den beiden Freizeiten würde also ein Umsatz eines fünfstelligen Betrages fließen. Zwar werden viele Ausfallkosten gegebenenfalls übernommen, die Einnahmen fehlen dennoch. „Es wäre ein Worst-Case-Szenario, wenn die ausfallen würden. Das würde uns sehr hart treffen“, sagt Kai Wichmann, „nicht nur finanziell, sondern auch für die Eltern und Kinder.“

Denn der Bedarf an Ferienbetreuung in der Stadt Trier sei sehr groß, so Wichmann. Die große Sorge der Eltern sei, dass diese Freizeiten nicht stattfinden können. Momentan plant der Mergener Hof, was das angeht, mit „Plan A, B, C und D“.

Die Lösungsansätze: Denn auch wenn der MJC vor Problemen steht, blickt er auf andere: „Wir überlegen momentan, wie wir unsere Angebote auf anderem Wege zu den Menschen bringen.“ Darunter fallen neben einer angepassten Form der Ferienfreizeit auch alternative Konzertformen. Da unklar ist, welche „Rettungsgelder“ in Frage kommen, ist die Kreativität des Vereins gefragt, der aktuell an mehreren Aktionen beteiligt ist. Da sind zum Beispiel die „MJC Kisten“: Der Verein verteilt Pakete mit Spielzeug, Bastelanleitungen, Überraschungen und vielem mehr – kostenlos. „Wir würden uns da natürlich über eine Spende zur Finanzierung weiterer Kisten freuen“.

Nicht kostenlos, aber ohne künstlerische Gegenleistung, ist die „Geistershow“, ein Event, das „nicht stattfinden wird“, für das Unterstützer allerdings Tickets als „Spende“ kaufen können. Aus der Merchandise-Kampagne „Be My Quarantine“ eines Kölner Unternehmens, bei dem der Erlös der Produkte an Kulturschaffende geht, die der Kunde auswählen kann, wurde bisher ein dreistelliger Betrag eingenommen. Eine vierstellige Summe erhält der MJC aus einem Online-Benefizkonzert zugunsten Trierer Kultureinrichtungen, bei dem 10 000 Euro gesammelt wurden (der TV berichtete).

„Diese Beträge sind super und sehr wichtig, aber es braucht noch einiges mehr“, sagt Wichmann. Man tue als Verein „alles erdenklich Mögliche“, um nach der Krise noch da zu sein. „Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen“, zeigt er sich optimistisch.

Weitere Informationen sowie Möglichkeiten, den MJC Mergener Hof zu unterstützen finden Sie im Internet unter www.mjctrier.de