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So war das Konzert von Saga in der Stadthalle Bitburg (mit Fotos)

Kostenpflichtiger Inhalt: Kultband Saga in in der Eifel : Mehr als bloße 80er-Nostalgie

Anspruchsvoller Rock, virtuos gespielt. Die kanadische Prog-Band Saga hat sich vor allem in den 80ern treue Fans erspielt. Ihr Auftritt in Bitburg zeigte, warum.

Nein, ganz ohne Corona-Nebenwirkungen wird dieser Artikel nicht auskommen. Auch wenn das Saga-Konzert in der Bitburger Stadthalle im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltungen – vor allem im Eifelkreis – über die Bühne ging. Eigentlich sollte der deutsche Saga-Fanclub die Band nachmittags in Bitburg treffen, einige Fans der kanadischen Rockband hatten weite Wege hinter sich. Auf den persönlichen Austausch mussten sie kurzfristig verzichten – das Treffen wurde abgesagt. Saga hat schließlich noch einige Stationen vor sich. Die Infektionsrisiken wollen sie möglichst klein halten.

Das zweistündige Konzert dürfte aber auch viele der weitgereisten unter den rund 900 Zuschauern entschädigt haben: Sie erlebten eine Band, die zwei Jahre nach ihrem eigentlich angekündigten Ende richtig gut drauf ist und die in keiner Sekunde so wirkt, als ginge es hier vor allem um Altersvorsorge.

Etwa Frontmann Michael Sadler. 65 Jahre ist er nun alt, der Mann mit der markanten Glatze und den passablen Deutsch-Kenntnissen (er lebte acht Jahre lang in Saarbrücken). Sadler ist nicht nur stimmlich bestens in Form, er bringt auch die Zuschauer schnell auf Touren. Das zeigt schon der Opener „Out of the Shadows“, der die Richtung des Abends vorgibt: Der Song ist 35 Jahre alt, wurde in der Vergangenheit aber so gut wie nie live gespielt. Wie auch andere Stücke des Programms. Für etwas Nostalgie sorgt zwischenzeitlich die Video-Leinwand im Hintergrund – mit alten Fotos aus Zeiten, als die Frisuren und Klamotten noch abenteuerlicher waren.

Gute Stimme, gute Laune: Michael Sadler. Foto: TV/Feichtner, Andreas

Dabei ist es nicht so, dass die Kanadier kein neues Material hätten. Allein in den vergangenen 20 Jahren veröffentlichten sie acht Studioalben. Live liegt der Fokus aber eindeutig auf den frühen Werken der vor über vier Jahrzehnten in Toronto gegründeten Band. So ist Saga keine typische 80er-Band, sieht man mal von einem Markenzeichen der Band ab, den häufig eingesetzten Elektro-Drums. Aber in jenem Jahrzehnt fanden vor allem in Deutschland Hunderttausende ihre Liebe zur Band und ihren frickeligen, ultrapräzisen Gitarren- und Keyboardläufen. In der Region etwa bei der Rock-am-Ring-Premiere 1985. „Wer hat Saga noch nie live gesehen?“, fragt Michael Sadler bei der Bitburg-Premiere. Er bekommt einige Arme zu sehen, auch wenn die Saga-Debütanten vermutlich in der Minderheit sind. Dass die Stimmung gleich bestens ist, mag vor allem an den treuen Fans liegen. Aber auch die Neulinge, die vielleicht nur die Hits wie „On the Loose“, „Humble Stance“ oder die Zugabe „Wind Him Up“ kennen, bekommen einen Eindruck, warum die Kanadier über Jahrzehnte ihr Publikum bei Laune gehalten haben. Die Band ist absolut in Form, der Sound passt. Von der alten Besetzung ist neben Sadler und Gitarrist Ian Crichton noch Keyboarder Jim Gilmour dabei. Schlagzeuger Michael Thorne ersetzte vor einigen Jahren Steve Negus. Neuestes (und jüngstes) Bandmitglied ist Dusty Chesterfield am Bass und Synthesizer, der Jim Crichton ersetzte. „Wir kommen wieder“, verspricht Sadler zwischendurch. Dann vielleicht ohne Corona-Ablenkung.