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So war der wilde Westen

So war der wilde Westen

Die beliebte Weltmusikreihe der Trierer Philharmoniker machte Station im Wilden Westen. Die Tickets waren so begehrt wie die letzte Whiskyflasche im Saloon, und der Jubel am Ende hätte jede Massenschießerei übertönt.

Trier. Ein bisschen Selbstironie darf manchmal sein. "Endlich reiten sie", lautet das Motto des Abends - kein Filmtitel, sondern eine Reminiszenz daran, dass das Westernkonzert im letzten Jahr aus Kostengründen kurzerhand gestrichen wurde.
Nun also ist es soweit: Ein junger Mann mit Cowboyhut entert die Bühne, und dem versierten Fan stellt sich sofort die Frage, seit wann Hop Sing einen Sheriffstern trägt. Aber es handelt sich nicht um den legendären Koch aus "Bonanza", sondern um Kapellmeister Joongbae Jee, der mit gewohnter Verve den Taktstock zieht - so gekonnt wie einst John Wayne den Colt.Bei High Noon sind alle wach


Die Philharmoniker sind, sagen wir, zurückhaltend kostümiert, aber immer noch weitaus westerngerechter gekleidet als das Publikum. Trotz Fastnachtfreitag und anschließender Party. Trierer sind nicht unbedingt wagemutig. Zurückhaltend ist auch der musikalische Start, die Bläser gehen bei Silverado in Deckung, und im Rio Bravo ertrinkt der eine oder andere Rhythmus. Aber spätestens zum High Noon sind Jee und seine Leute so hellwach wie Gary Cooper um 12 Uhr Mittags. Und bei den anschließenden Spaghettiwestern lässt nicht nur das "Lied vom Tod" beim Publikum die kalten Schauer über den Rücken rieseln.
Ennio Morricone, dieses Genie der Filmmusik, funktioniert immer. Und dann packt das Orchester mehr und mehr Trümpfe aus: Den wunderbar melancholischen Trompetenklang von Burghart Müller beispielsweise, der manche Gebrauchsmusik zur Sinfonie veredelt. Zumal, wenn Christoph Haupers das filigrane Echo auf der Gitarre liefert oder Thomas Hausen gefühlig die Töne seiner Mundharmonika direkt mit den Nervenenden der Zuschauer verbindet.
Der zweite Teil gehört den Neo-Western der 1990er Jahre. Da geht es weniger um in Bilder und Töne gesetzte Mythen wie bei den Widmarks, Stewarts und Pecks, da sind die Helden wie Kevin Costner durchaus gebrochene Charaktere, und es gibt sogar Westernheldinnen wie Sharon Stone.Joongbae Jee lässt es krachen


Alan Silvestris Musik zu "Schneller als der Tod" markiert einen Höhepunkt dieses Genres - und auch dieses Abends.
Am Schluss lässt Joongbae Jee, das Universaltalent, es noch mal richtig krachen, mit den glorreichen Sieben und dem Marlboro-Mann reitet der Saal der Abendsonne entgegen. Als Zugabe mit "Rawhide" ein Fernsehklassiker - da hätte eine von Martin Böttchers grandiosen Winnetou-Melodien auch gut hingepasst.
Unterm Strich: Ein musikalisch rundherum gelungenes Experiment. Von der visuellen Umsetzung her ist dagegen noch viel Platz nach oben. Es gibt eine ziemlich lieblos zusammengestellte Slideshow von Filmfotos, nur gelegentlich geeignet, Empfindungen zu wecken und kaum auf die Musik abgestimmt. Man muss nicht die perfekten (und sicher teuren) Filmkonzerte der Luxemburger Philharmonie als Vergleich heranziehen, aber in Sachen Kombination von Bild und Ton hat etwa der Musikverein Pfalzel mit seinen "Hollywood-Nights" in der Arena Trie-rer Maßstäbe gesetzt, hinter denen die Theaterprofis eigentlich nicht zu weit zurückbleiben sollten.
Dafür gibt es freilich mit Manfred Callsen einen witzigen, sachkundigen und ausdrucksvollen Moderator, der dafür sorgt, dass man die Filme auch inhaltlich halbwegs einordnen kann.
Ausgiebige Ovationen am Schluss. Verbunden mit der Erkenntnis, dass Filmmusik ganz andere Publikumsschichten anspricht als Sinfoniekonzerte. Also, wenn das Theater eine breitere Basis sucht: Mehr davon. Wann kommt Bond?