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Kultur
Falco-Musical in Trier: Herr Hölzel und die Unsterblichkeit

Im Falco-Musical schlüpft das Ensemble immer wieder in unterschiedliche Kostüme. Alexander Kerbst überzeugt als Falco.
Im Falco-Musical schlüpft das Ensemble immer wieder in unterschiedliche Kostüme. Alexander Kerbst überzeugt als Falco. FOTO: Karin Pütz
Trier. „Falco – das Musical“ gastiert vor 1400 Besuchern in der Arena Trier.

Vor 20 Jahren und zwei Monaten starb Johann Hölzel – besser bekannt als Falco – zwei Wochen vor seinem 41. Geburtstag. Dass er unvergessen ist, beweisen unter anderem zahlreiche Bühnenproduktionen, die seitdem immer wieder die Fans erfreuen. So feierte 2013 das Tanzstück „Falco – The spirit never dies“ seine Uraufführung im Theater Trier. Gespielt wurde Falco damals von Alexander Kerbst. Und auch 2018 verkörpert dieser in der Arena Trier bei „Falco – das Musical“ den charismatischen Sänger. Auf den ersten Blick hat der mittlerweile 53-jährige Kerbst gar nicht mal eine so große Ähnlichkeit mit Falco. Doch er wird zu seinem Ebenbild, sobald er auf der Bühne steht. Kleidung, Mimik, Gestik und Gesang sind perfekt, und in Verbindung mit dem österreichischen Akzent agiert dort nicht ein in Jena geborener Musicaldarsteller, sondern eben Falco. Für die 1400 Besucher in der Arena Trier ist die Illusion perfekt: Falco ist eben unsterblich.

Bei „Falco – das Musical“ wird die menschliche und berufliche Entwicklung des exzentrischen Sängers aus der Sicht seines damaligen Managers Hans Reinisch erzählt. Diesen Part übernimmt Fritz Barth, der die Rolle unaufgeregt und überzeugend spielt. Durch diese Erzählweise kommt das Musical nicht mit dem genreüblichen Kitsch daher, sondern hat beinahe einen dokumentarischen Charakter. Der Preis dafür ist natürlich, dass es nicht ganz so emotional zugeht. Den ersten von nur wenigen Gänsehautmomenten erlebt der Zuschauer in der Arena Trier bei „Jeanny“. Das tut der Show jedoch keinen Abbruch, hier geht es um die Musik, nicht so sehr um Pathos und lange Dialoge. „Die Frau, die mich erträgt, ist noch nicht geboren“, sagt Falco zu seinem Manager und findet: „Realität ist eine Halluzination, die durch Abwesenheit von Alkohol entsteht.“

Zusammen mit einem elfköpfigen Tanz- und Gesangsensemble sowie den fünf Bandmitgliedern werden nicht nur die größten Hits, sondern auch unbekanntere Stücke wie „Cadillac Hotel“ interpretiert. Kerbst singt routiniert und exakt und variiert sogar im Text, indem er bei „Vienna Calling“ den Ort seines Auftritts einbaut: „Womit spielen kleine Mädchen heute, hier und dort und da, und in Trier, Arizona, Toronto, Canada.“ Aber das Musical ist keine One-Man-Show. Bei Stücken wie „Dance Mephisto“ steht die tänzerische Qualität des Ensembles im Vordergrund, und einige Nummern wie „Coming home“ werden von Alice Wittmer sowie Nike Tiecke gesungen. Die beiden Frauen spinnen den roten Faden, indem sie Falco jeweils als das Gute und das Böse zu beeinflussen versuchen – und das auf hohem gesanglichen Niveau. Am 19. Februar wäre Johann Hölzel 61 geworden – wenn er nicht, wie sein Idol James Dean, in seinem Auto ums Leben gekommen wäre. In Trier indes gibt das Ensemble nach dem Höhepunkt der Show („Out of the dark“) noch die eine oder andere Mitklatsch-Zugabe, während auf den Rängen die Handylichter geschwenkt werden – a bisserl Kitsch darf es eben auch bei Falco sein.