"So wunderschön wie noch nie"

Das Eifel-Literatur-Festival geht in die Sommerpause. 6500 Besucher strömten eifelweit zu 13 Lesungen. Organisator Josef Zierden äußert sich in der Zwischenbilanz zufrieden.

Prüm. (sn) Zusammen mit Festival-Organisator Josef Zierden zieht TV-Redakteurin Stefanie Glandien eine Zwischenbilanz.

Ausverkauft, ausverkauft - immer wieder ausverkauft: Wer eine Lesung in der ersten Hälfte des Eifel-Literatur-Festivals erleben wollte, musste verdammt schnell sein. Da geht einem doch als Veranstalter das Herz auf, oder?

Josef Zierden: Ja, das Herz geht einem auf: Wenn zu 13 Veranstaltungen an sechs Orten eifelweit rund 6500 Besucher von nah und fern strömen, im Durchschnitt also rund 500 Besucher pro Veranstaltung. Nicht mitgerechnet die mehr als 2000 Besucher, die wir locker noch bei Herta Müller hätten einlassen können. Die Grenzen der Räume bilden die Grenzen des Zustroms. Nur die Begeisterung für Literatur scheint keine Grenzen zu kennen.

Der grandiose Erzähler Rafik Schami, die singende Katja Riemann, der philosophische Richard David Precht: Von einer normalen Lesung waren die bisherigen Gäste weit entfernt. Wurden Ihre Erwartungen übertroffen?

Zierden: So schön, so wunderschön wie 2010 ist mir das Festival noch nie vorgekommen: Immer anders, immer schön. Fesselnd durch die wechselnden Autorenpersönlichkeiten, durch die wechselnden Darbietungsformen: Multimedia mit Willemsen, freier Vortrag mit Schami, Precht und Winterhoff, Comedy-reife Performance mit Kuttner, die Nobelpreisträgerin für Literatur live in Prüm - es waren wirklich Sternstunden der Literatur. Ich habe gar nicht so viel erwarten können, wie eingetroffen ist.

Es heißt zwar Eifel-Literatur-Festival, doch Kartenwünsche kommen längst aus einem weiten Umkreis. Berlin, Hamburg, Köln - die Nummernschilder der parkenden Autos sprechen Bände. Wie hoch ist der Anteil der Eifeler Zuhörer?

Zierden: Das Festival hat seine bundesweite Strahlkraft deutlich gesteigert: Von Karlsruhe nach Monschau, von Hamburg nach Prüm, von Essen nach Welschbillig: Das ist schon Normalität. Unser Stammpublikum aber, sicher gut 80 Prozent, kommt aber aus einem Umkreis von rund 120 Kilometern, aus der ganzen Eifel und den angrenzenden Metropolen. Und das ist gut so: Zuallererst veranstalten wir das Festival für uns Eifeler. Hochkarätige Autoren im Zweijahrestakt, rund 30 mal in einem Festivaljahr: Das sollten wir uns wert sein.

Eine Sensation, eine Krönung Ihrer Arbeit war sicherlich die Lesung der Nobelpreisträgerin Herta Müller. Entstanden war der Kontakt vor vielen Jahren. Wann und wie haben Sie Herta Müller für das Festival entdeckt?

Zierden: 2001 war Herta Müller zum ersten Mal in der Eifel, in Prüm. 2008 ist sie kurzfristig für Wilhelm Genazino eingesprungen, bei Mayen. 1996 hatte ich sie erstmals in der Region, in Trier. Sie als frischgebackene Nobelpreisträgerin wieder nach Prüm zu bekommen, war in der Tat eine Sensation, selbst für den Verlag, der es kaum fassen konnte. Was mich gefreut hat in Prüm: der Stolz der Besucher, sie in der Eifel erleben zu können; die tiefe Ergriffenheit angesichts der ernsten Thematik des Romans und der außerordentlichen Sprachkraft. Und: Dass der Nobelpreis Herta Müller menschlich nicht verändert hat. Es war ein sehr, sehr herzliches Miteinander in Prüm.

Sie lernen die Autoren beim Festival persönlich kennen. Welcher Autor hat Sie mit seinem Auftritt überrascht?

Zierden: Man mag ja viel von und über Rafik Schami gelesen haben. Ihn live zu erleben, als modernen orientalischen Märchenerzähler, war ein beispielloser Genuss. Er hat seine Zuhörer glänzend unterhalten und restlos begeistert.

Was sagen die Autoren zum Festival in der Eifel? Viele sind ja Wiederholungstäter.

Zierden: Walser, Müller, Heidenreich und Schroeder: Sie waren einmal mehr und stärker denn je begeistert von dem, was in der Eifel literarisch auf die Beine gestellt wird, nicht zuletzt auch von den riesigen Besucherzahlen und von der einzigartigen Sensibilität des Publikums. "Es ist großartig, was Sie und Ihre Mitarbeiter da immer wieder leisten", schrieb Elke Heidenreich. Dies sei keineswegs selbstverständlich im heutigen Literaturbetrieb.