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Sonne in der Promotionsaula

Sonne in der Promotionsaula

Im dritten Saisonkonzert "Klassik um Elf" hat sich das Philharmonische Orchester der Stadt Trier einmal nicht an erbaulichem Barock versucht. Man nahm den Titel ernst und spielte unter der Leitung von Generalmusikdirektor Victor Puhl Kompositionen aus der Wiener Klassik. Mit Erfolg.

Trier. Das Cembalo blieb im Magazin. Diesmal war der Titel "Klassik um Elf" auch Programm: Wiener Klassik für Bläser. "In die Harmonie setzen", nannte man das damals. Die philharmonischen Holzbläser und Hörner, dazu ein grundierender Kontrabass, bewegten sich auf vertrautem Terrain. Und das so sensibel und sicher, dass ihr Musizieren zur reinen Freude wurde.
Dabei verließen sich Dirigent Victor Puhl und die Bläser des Philharmonischen Orchesters nicht auf die Klangfülle und den Farbenreichtum des Ensembles. Sie spürten hellhörig den Feinheiten der Musik nach. Da klingt bei Antonio Rosettis F-Dur-Partita Schäferidylle und Arienmelodieseligkeit mit, und die schmetternden Hörner verbreiten dazu ausgelassene Jagdstimmung.
Und Mozarts wunderbare "Gran Partita" - welcher Reichtum! Puhl und seine Musiker entfalten den betörenden Zauber dieser Musik, ihre Ausdrucksweite zwischen Melancholie und Übermut. Jeder Satz erhält sein eigenes Gesicht.
Schwerelose Schönheit


Die Trios zu den beiden Menuetten - immer klingen sie um Nuancen anders. Und das herrliche, stimmungsreiche und ein wenig tragische Adagio - da gelingt es Puhl, die Nebenstimmen leise zu halten. Und über dieser Begleitung singen sie sich aus: Bassetthorn, Klarinette und die präsente Oboe, die das Ensemble anführt. Es sind Momente von einer schwerelosen und ganz ernsten Schönheit sowie von einer fast philosophischen Nachdenklichkeit.
Der Februar ist nicht unbedingt die rechte Jahreszeit für Bläser-Serenaden und ihrem Freiluft-Charakter. Aber die Philharmoniker musizieren so engagiert und schlackenlos, dass die Ungunst der Jahreszeit kaum auffällt. Und wenn dann noch die Sonne durchbricht und in die Promotionsaula scheint, dann bleibt nichts mehr übrig vom grauen Winter. Am Ende: 170 hochzufriedene Besucher. "Kompliment!", sagte ein Zuhörer. mö