Später Beitrag zum Reger-Jahr

Später Beitrag zum Reger-Jahr

Mit Ausnahme von Orgelmusik fiel das Reger-Jahr 2016 in der Region nicht allzu üppig aus. Wenn auch etwas verspätet, erweist jetzt das Philharmonische Orchester Trier dem eigenwilligen Genie seine Reverenz. Schwerpunkt im 4. Sinfoniekonzert (19. Januar, 20 Uhr, Trierer Theater) sind Regers Mozart-Variationen.

Trier. Es hätte ein Höhepunkt werden können im Künstlerleben von Max Reger und wurde zum jähen Absturz. Im März 1911 war Reger zum Dirigenten der Hofkapelle im mitteldeutschen Meiningen berufen worden und leitete damit einen hoch angesehenen Klangkörper.
Dass Reger mit der Übernahme des neuen Amts seinen arbeitswütigen und alkoholreichen Lebensstil ändern würde, war freilich nicht zu erwarten. Anfang 1914 brach er zusammen, musste einen mehrwöchigen Sanatoriums-Aufenthalt in Meran antreten und entschloss sich, das Meininger Dirigat niederzulegen. Während der Nachkur in Berchtesgaden entstand ein Großteil der "Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart" op. 132.
"Denkbar einfachste Musik"


Die Mozart-Variationen sind Schwerpunkt im 4. Trierer Sinfoniekonzert am Donnerstag, 19. Januar. Freunden gegenüber bezeichnet Reger das Werk als "denkbar einfachste und unschuldigste Musik". Der Komponist war er es gewohnt, die Schwierigkeiten seiner Musik herunterzureden. Die Mozart-Variationen sind in Wahrheit für jedes Orchester eine hohe Hürde. Reger hat die Partitur mit Vortragsanweisungen übersät. Das führt für Orchester und Dirigent zu einer doppelten Herausforderung: Einerseits dürfen die Anweisungen nicht komplett ignoriert werden, andererseits dürfen sich die Ausführenden nicht in Details verzetteln - ein heikler Balanceakt. Wo Mozart-Variationen gespielt werden, darf Mozart im Original nicht fehlen. Zur Eröffnung präsentieren Generalmusikdirektor Victor Puhl und seine Trierer Philharmoniker die Haffner-Sinfonie, die Mozart - schon längst in Wien - aus einer Salzburger Serenade entwickelte. Der Komponist war ein Jahr nach der Überarbeitung vom Ergebnis selber überrascht: "Die Neue Hafner Sinfonie hat mich ganz surpreniert - die muß gewis guten Effect machen". Karl Maria von Weber jedenfalls griff in seinem Fagottkonzert von 1811 Mozarts Konzertstil auf und verband ihn mit seiner opernnahen Tonsprache.
Rie Koyama spielt im Trierer Sinfoniekonzert den Solopart. Außerdem steht die Fagottistin im Zentrum des "Carnaval de Venise" von Paul-Agricole Genin. Genin (1832-1903) war ein französischer Flötist und Komponist. Sein "Carnaval" für Flöte und Klavier erklingt in einer Fassung für Fagott und Orchester. mö
4. Sinfoniekonzert, Donnerstag, 19. Januar, 20 Uhr, Theater Trier, mit Werken von Mozart, Weber, Genin und Reger.
Extra

Rie Koyama, die Solistin am Fagott, geboren 1991 in Stuttgart, stammt aus einer japanischen Musikerfamilie. Sie ist in Deutschland aufgewachsen und hat bei 24 bedeutenden nationalen und internationalen Wettbewerben Erste Preise im Fach Fagott gewonnen. Rie Koyama trat als Solistin unter anderem mit dem Beethoven Orchester Bonn, der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken und dem Münchner Rundfunkorchester auf. 2004 wurde sie Fagottistin beim Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung von Dennis Russell Davies und Michael Hofstetter. Seit September 2015 spielt sie bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Paavo Järvi. mö