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Spanische Nächte voller Dynamik

Spanische Nächte voller Dynamik

Das philharmonische Orchester der Stadt Trier hat bei seinem fünften Konzert aus der Reihe "Klassik um Elf" wieder einmal seine exzellente Verfassung bestätigt. Spanische Nächte, am Sonntagvormittag dargeboten: Das hatte Klasse.

Trier. Gut 130 Zuschauer sind am Sonntag um 11 Uhr in die prachtvolle Promotionsaula des Trierer Jesuitenkollegs gekommen, um im lichtdurchfluteten Auditorium am hellen Vormittag den "Noches Espanoles" zu lauschen. Generalmusikdirektor Victor Puhl und sein Ensemble nehmen sie mit auf einen Parforce-Ritt durch das nächtliche Spanien.
Trommeln in Madrids Gassen


Den Auftakt macht "La Musica notturna delle Strade di Madrid" des gebürtigen Italieners Luigi Boccherini (1743-1805). Dieser hatte gerade eine Stelle am spanischen Hof angetreten und war wohl irritiert von der wüsten und lauten Atmosphäre in den Gassen der spanischen Hauptstadt. Seine Frustration verarbeitete der Komponist auf die entzückendste Art und Weise in einem Quintett für Streicher.
Die einzelnen Sätze handeln von Soldatentrommeln, grölenden Straßensängern und Nachtwächtern und haben durchaus einen volksmusikalischen Charakter. Die Philharmoniker haben sichtlich Spaß am Pizzicato und daran, die Geige oder Bratsche einmal wie eine Gitarre zu spielen.
Es folgt - anlässlich des 300. Geburtstags des Komponisten - ein Stück von Christoph Willibald Gluck (1714-1787), dessen Oper "Orpheus und Eurydike" zurzeit sehr erfolgreich im großen Haus des Trierer Theaters gespielt wird. Sein "Don Juan ou le Festin de Pierre" ist ein furioses Psychodrama mit höchsten Tempi, die einzigartige Akustik der Promotionsaula wird dabei bis an ihre Grenzen ausgereizt. Wunderbar musiziert, jeder Einsatz passt, jeder Ton sitzt, Puhl treibt sein kleines Orchester zu größter Dynamik. Die Bögen der Streicher fetzen über die Saiten und liefern sich ein atemloses Duell mit den bestens aufgelegten Bläsern.
Große Sinfonik dann zum Abschluss des 70-minütigen Konzertes: "Sinfonia a Grand Orchestre D-Dur" von Juan Crisóstomo de Arriaga (1806-1826). Diese klassisch viersätzige Sinfonie des spanischen Wunderkindes, das schon mit 14 Jahren seine erste Oper komponiert hatte, überzeugt mit Eleganz und Finesse, ein Stück Musik, das wie geschaffen ist für einen sonnigen Sonntagvormittag.
Spanische Nächte - restlos überzeugend dargeboten und mit viel Applaus für die Philharmoniker belohnt. DT