| 21:11 Uhr

Spannend, aktuell, aber etwas sperrig

Baron Lefuet hält Timm Thaler im wahrsten Sinne des Wortes umklammert. Cyrus Rahbar und Sebastian Gasper (vorne) in einer Szene des neuen Kulturlabor-Stücks. TV-Foto: Anke Emmerling
Baron Lefuet hält Timm Thaler im wahrsten Sinne des Wortes umklammert. Cyrus Rahbar und Sebastian Gasper (vorne) in einer Szene des neuen Kulturlabor-Stücks. TV-Foto: Anke Emmerling
Trier. Als Abenteuer mit vielen aktuellen Bezügen hat das Kulturlabor Trier Timm Thaler nach dem Jugendbuch von James Krüss auf die Bühne gebracht. Bei der Premiere in der Trierer Tuchfabrik faszinierten Darstellerleistungen und Inszenierung. Von der Hauptzielgruppe, den Zuchauern ab zehn Jahren, gab es ein geteiltes Echo. Anke Emmerling

Trier. Timm Thaler, nach dem Tod seines Vaters in materieller Not, verkauft sein Lachen an Baron Lefuet. Er gewinnt ab jetzt jede Wette, wird reich, ja sogar Alleinerbe des Barons. Er merkt jedoch, dass er damit in eine skrupellose, menschenverachtende Welt eintaucht und kämpft dafür, sein Lachen wieder zu bekommen.
Komplexe Geschichte


Was hier nur kurz zusammengefasst ist, ist wahrlich kein einfacher Stoff für eine Bühnenproduktion. Es ist eine komplexe, wendungsreiche Geschichte mit immer neuen Figuren, die zeitlich über Jahre und räumlich über Schauplätze auf der ganzen Welt angelegt ist. Und sie kombiniert gleich mehrere wuchtige Grundmotive. Allen voran steht das des aus Dr. Faustus bekannten Seelenverkaufs an den Teufel. Gleichzeitig geht es wie in vielen Märchen um die Entwicklung eines Menschen, indem er auszieht und Herausforderungen besteht. Das dritte Motiv ist, das Kapital als skrupellose, global agierende Macht zu entlarven.
Hut ab, Regisseur Alexander Ourth und sein Kulturlabor-Team haben all das mit stringentem Handlungsfaden auf überschaubare eineinhalb Stunden komprimiert, und die Anforderungen mit raffinierten Kunstgriffen erfüllt. Computersimulierte, mal gegenständliche, mal grafisch abstrahierte Projektionen liefern Bilder der Schauplätze. Livestream-Kameras transportieren die Gleichzeitigkeit von Geschehnissen oder heben die Bedeutung einzelner Szenen hervor, Musik untermalte spannende Höhepunkte. Besondere Hochachtung jedoch verdient das dichte, die Spannung stets steigernde Spiel der Darsteller. Sebastian Gasper überzeugt sowohl als anfangs naiver wie später gereifter Timm. Cyrus Rahbar als Baron gibt dem Diabolischen ein so smart verführerisches wie brutales Gesicht. Elke Reiter und Stefan Vanecek glänzen in blitzschnellen Rollenwechseln - allein Vanecek spielt elf Figuren. Sie nutzen theatralische Darstellungsformen vom Sprechchor à la Brecht bis zum Slapstick und sorgen für Komik, wo immer es möglich ist. Das lockert die eher düstere Geschichte manchmal wohltuend auf.
Dennoch bleibt vieles sperrig, von der verwickelten Grundkonstruktion der Vorlage bis zum Versuch, in Kurzform die Auswirkungen globaler ökonomischer Verflechtungen abzuhandeln. In nur einer Szene um das Firmenimperium des Barons wird gleich das ganze Kind mit dem Bade ausgekippt: Da wird die Eroberung neuer Märkte durch Vernichtung der Existenzgrundlagen armer Länder angesprochen, die Ausbeutung von Ressourcen oder die strategische Unterstützung von Kriegen in Syrien oder Irak.
Das Resultat ist ein geteiltes Echo. Die zehnjährige Sarah sagt, die Bilder seien gut gemacht, aber sie habe vieles nicht verstanden und das Stück daher zu lang und langweilig gefunden. Zwei Mütter finden es zu abstrakt für ihre neun- und zehnjährigen Kinder und eher für ältere geeignet. Das bestätigt Sofia (11). Sie habe das, was sie aus den Nachrichten kenne, gut erklärt in der Geschichte wiedergefunden: "Ich würde das Stück weiterempfehlen: Es ist total spannend."
Weitere Termine: 21. Dezember, um 18 Uhr, 26. und 27. Dezember, 16 Uhr. Tickets, auch ermäßigte Familienkarten, gibt es im TV-Service-Center Trier, unter der Hotline 0651/7199-996 und auf <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de/tickets" class="more" text="www.volksfreund.de/tickets"%>