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Spannend wie ein gesungener Hitchcock-Film

Spannend wie ein gesungener Hitchcock-Film

Vergangenen Sommer war die Uraufführung der Kammeroper "The House Taken Over" des portugiesischen Komponisten Vasco Mendoca eines der Hauptereignisse beim Festival in Aix-en-Provence. Diese Woche gastierte das Stück über ein Geisterhaus beim Koproduzenten, dem Grand Théâtre.

Trier. Es passiert eigentlich gar nicht viel. Ein Geschwisterpaar mittleren Alters lebt in einem gutbürgerlichen Haus, dessen Instand- und Sauberhaltung offenbar die Lebensaufgabe der beiden Protagonisten ist. Doch in die Welt der Putz- und Kontrollfimmel dringt eine unbekannte Macht ein. Erst nur mit merkwürdigen Geräuschen, dann, zunehmend aggressiv, mit schlagenden Türen und einstürzenden Bücherregalen.
Die zunehmende Atmosphäre der Unbehaglichkeit vertreibt die Geschwister, sie schotten sich in vermeintlich sicheren Räumen ab, ihr Platz im Haus wird immer kleiner. Sie versuchen vergeblich, ihre Routinen aufrechtzuerhalten - aber ohne den gewohnten Alltag brechen Konflikte, Ängste, böse Erinnerungen auf. Sie will fliehen, er versucht noch gegenzuhalten. Am Ende verlassen beide das besetzte Haus in eine ungewisse Zukunft.
Vasco Mendoca (36) hat zu dieser mysteriösen, letztlich nie geklärten Geistergeschichte (Vorlage: Julio Cortázar, Libretto: Sam Holcroft) eine gekonnt illustrierte Nervenmusik geschrieben. Von Anfang an fängt sie den Zuschauer ein, raunt von nahendem Unheil, baut abgründige Spannung auf. Das 13-köpfige Asko-Schönberg-Orchester unter Leitung von Etienne Siebens lässt es krachen, kostet die Effekte munter aus und zeigt bewundernswerte Schlagwerkkunst.
Katie Mitchell, früher bei der Royal Shakespeare Company und in den vergangenen Jahren eine Senkrechtstarterin der europäischen Opernregie, verwandelt die anfangs fast gemütliche Wohnung in ein zunehmend klaustrophobisches Ambiente. Kitty Whately und Oliver Dunn zeichnen präzise ein Geschwister-Verhältnis, das Abgründe aufscheinen lässt. Die musikalischen Leistungen sind wie die darstellerischen makellos. Am Ende einhelliger Beifall der 300 Besucher. DiL