Spannende Bildnachrichten von "Gorbatschows Erben"

Spannende Bildnachrichten von "Gorbatschows Erben"

Zum zweiten Mal werden jetzt Fotografien von Harald Schmitt in Trier gezeigt. Nach seinem Foto-Zyklus vom Ende des Sozialismus "Sekunden, die Geschichte wurden", der im vorigen Jahr in der Tufa zu sehen war, hat sich der Fotograf diesmal zu "Gorbatschows Erben" aufgemacht.

Trier. Keine Frage: Osteuropa hat zwei neue Fans. Wer mit Harald und Annette Schmitt über ihre jüngste Reise zu "Gorbatschows Erben" spricht, könnte den Eindruck haben, sich mit zwei Werbefachleuten zu unterhalten. Zurück in Deutschland werden der Fotograf und seine Frau nun nicht müde, für die östliche Randzone der EU Interesse zu wecken und gegen Vorurteile zu kämpfen. "Es ist traurig, dass Osteuropa hier so abgelehnt wird", sagte Annette Schmitt, und ihr Mann fügt hinzu: " Die Vorbehalte sind gewaltig." Der Annäherung dient auch Schmitts neue Fotoserie "Gorbatschows Erben", eine umfangreiche Auswahl seiner zahllosen Reisefotos. Der 1948 geborene, ehemalige Sternfotograf und Fotoreporter ist in Trier kein Unbekannter. In der Römerstadt ist er aufgewachsen. Dort hat er seinerzeit auch ein Volontariat bei der damaligen Trierischen Landeszeitung gemacht. Mit dem Sozialismus hat er unmittelbare Erfahrung. Sechs Jahre war Schmitt als Fotojournalist in Ostberlin akkreditiert. In den Ostberliner Jahren entstand auch seine Fotoserie vom Ende des Sozialismus "Sekunden, die Geschichte wurden", die 2015 in der Tufa gezeigt wurde. Auf dem Balkan, in Tschechien, der Slowakei, Polen, dem Baltikum, der Ostukraine und Griechenland waren die Schmitts unterwegs. Stolze 24 000 Kilometer hat das Ehepaar dabei in zwei Etappen zurückgelegt. Alles sei anders gewesen als erwartet, berichten der Fotograf und seine Frau und meinen damit: überraschend positiv anders.
Gleichwohl bleiben die Gegensätze in den Lebenswelten von "Gorbatschows Erben" enorm, wie auch Schmitts Fotos nur allzu deutlich machen. Die Schere zwischen Arm und Reich ist weit geöffnet. Einer armen ländlichen Agrargesellschaft stehen in vielen Ländern - wie hier zu sehen - moderne städtische Zentren mit ihren Hochhäusern, Einkaufs- wie Flaniermeilen gegenüber. Und auch kulturell macht der Reisende einen Zeitsprung von einem Albanien, in dem Blutrache geübt wird, hin zu den längst in der Jetztzeit angekommenen Gesellschaften der baltischen Länder oder dem alten Kulturland Polen mit seinen zahlreichen Nobelpreisträgern. Auf ihre Kosten kommen bei der Bilderschau auch Kulturfreaks auf den Spuren europäischer Vergangenheit, wie den berühmten rumänischen Moldauklöstern mit ihren atemberaubenden Fresken. Eine Augenweide für die Restauratorin Schmitt: "Wir waren beeindruckt von den zahlreichen Stätten des Unesco-Weltkulturerbes." Auch anderes Erbe ist auf diesen Reisefotos ins Bild gesetzt, wie die abbruchreifen Reste sozialistischer Triumphalarchitektur und Heldenverehrung, die Friedhöfe des Balkankriegs, die Grenzzäune, in deren Stacheldrähten ein friedlicher Schal von der unerfüllten Sehnsucht nach menschlicher Nähe zeugt. Vielleicht das berührendste Bild der Fotoschau. Ruhe ist zudem längst nicht im ehemaligen Jugoslawien eingekehrt, wie die militärischen Patrouillen zeigen. Es gibt Vielfältiges zu sehen, in diesem bunten Kaleidoskop. Viel Fremdes, Ungewohntes, aber auch vieles, das universell menschlich ist wie Familienleben, Kinder, Arbeitsalltag. Genau das macht die Ausstellung spannend. Sie informiert in reizvollen Bildern, weckt Lust auf Neues und macht dabei dennoch im Fremden das Vertraute sichtbar. Eben das, was Menschen überall auf der Welt gemein ist.
Bis 13. Januar 2017, Montag bis Donnerstag 9 bis 17 Uhr, Freitag 9 bis 16 Uhr, Telefon: 0651 / 93737-0, Weihnachten und Neujahr geschlossen.