Spannende Einblicke in die Kunst Europas

Spannende Einblicke in die Kunst Europas

Zum 25. Geburtstag zeigt die Europäische Rechtsakademie Trier, dass Kunst keine Grenzen kennt.

Trier Eduardo Chillidas stählerner "Käfig der Freiheit" empfängt den Besucher im Hof der Europäischen Rechtsakademie (ERA) Trier. Die eindrucksvolle Skulptur ist ein eindringliches Bild für den Freiheitsbegriff des demokratischen Rechtsstaates, in dem die Freiheit des Einzelnen wie die des Staates durch den Rahmen des gesetzlichen Regelwerks garantiert wie beschränkt wird. Frei ist auch die Kunst darin. Nach Friedrich Schiller ist sie selbst eine Tochter der Freiheit, geboren aus der Notwendigkeit des Geistes und des Gefühls. Seit ihrer Gründung 1982 hat die Fortbildungsstätte an der Metzer Allee die Verbindung zwischen Recht und Kunst gepflegt. Die Seminar- und Tagungsräume schmücken Kunstwerke aller Art. Regelmäßige Ausstellungen internationaler Künstler laden die Öffentlichkeit und die Gäste des Hauses zur Diskussion über das Wesen der Kunst und ihre Inhalte ein.
Zu ihrem 25. Geburtstag hat die dem Europäischen Recht gewidmete Einrichtung weit die Kunstfenster nach Europa geöffnet. Ihre Jubiläumsausstellung verbildlicht den Gedanken einer europäischen Gemeinschaft, in der jedes Mitglied seine eigene Stimme und Wesensart behält. Die Werke von 31 Künstlern aus ebenso vielen west- und osteuropäischen Ländern hat der in Frankreich lebende Kunstexperte Christian Noorbergen in der Eingangshalle der ERA und im Haus versammelt. Pro Künstler werden jeweils zwei Werke gezeigt.
Den weitaus größten Teil machen die Gemälde und Skulpturen aus. Gleich auf den ersten Blick beeindrucken die unterschiedlichen Bildsprachen. Dennoch ist in den Arbeiten der verbindende rote Faden der europäischen Moderne und ihrer Stile unverkennbar.
Das künstlerische Spektrum umfasst gegenständliche und abstrakte Arbeiten sowie eine Vielfalt an Techniken. In den meisten der präsentierten Werke ist jene Notwendigkeit zu erkennen, von der Schiller spricht, die geistige und emotionale Dringlichkeit, aus der die Arbeiten entstanden sind.
Die spannendsten Exponate sind naturgemäß die Kunstwerke aus Ländern, deren Kunst hierzulande noch immer selten zu sehen ist, wie aus den Balkanstaaten und den baltischen Ländern. Gleichermaßen bedrückend wie eindrucksvoll fallen das düstere Frauen-Porträt des Serben Cile Marinkovic oder die geheimnisvoll skurrilen Gemälde des Bulgaren Anastas Konstantinov auf. Einer sich zersetzenden Masse ähneln die Wolkenlandschaften des Rumänen Andreï Ciubotaru. In der Tradition seiner tschechischen Heimat stehen die fantastisch realistischen Bilder des in Prag geborenen Tschechen Luká Kándl.
Eindrückliches hat auch der Westen Europas zu bieten. Dem Nachtreich der Traumbilder entstammen die Gemälde des Spaniers Joseba Eskubi. Als wunderbar poetische Innenschau präsentiert sich der "Einsame Nachmittag" des Niederländers Bernard de Wolff. Ansehnlich vertreten ist die Bildhauerei. Von der existenziellen Not des Menschen berichtet die dynamische Plastik "La chute" (Der Fall) von Zlatko Glamotchak. Der aus Montenegro stammende Künstler lebt heute in Paris.
Ausdrucksstark kommen auch die Holzskulpturen des Dänen Hans Jørgensen daher. Kunst ist primär bekanntlich nicht auf materiellen Nutzen angelegt. Die Jubiläumsausstellung der ERA will sich allerdings nützlich machen. Zu ihrem Ende werden die gezeigten Werke versteigert. Die Hälfte des Erlöses kommt dem Jubiliäumsfonds der ERA zugute, der neben anderem ihr Stipendienprogramm finanziert.
Die Ausstellung läuft bis zum 19. Oktober. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag 9 bis 17.30 Uhr, Telefon 0651/93737-0; weitere Informationen unter <%LINK auto="true" href="http://www.era25.eu" text="www.era25.eu" class="more"%>
Die Versteigerung der gezeigten Werke in der ERA findet am Donnerstag, 19. Oktober, ab 20.30 Uhr statt; Informationen dazu gibt es unter <%LINK auto="true" href="http://www.era25.eu/de/auktion" text="www.era25.eu/de/auktion" class="more"%>
Es gibt einen ausführlichen Katalog zum Preis von 20 Euro.

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