Spannender Festival-Mix: Da wächst noch viel Kraut

Musik : Spannender Festival-Mix: Da wächst noch viel Kraut

Out of the Crowd-Festival in Esch mit Indierock-Größe, Krautrock-Revival und einer echten Entdeckung. 

Samstagnachmittag am Luxemburger Hauptbahnhof. Ratlosigkeit, wo der Zug nach Esch/Alzette abfährt. „Ihr fahrt bestimmt auch zum Konzert nach Esch“, mutmaßt ein Trierer Student, ebenfalls auf der Suche nach dem richtigen Gleis – und demonstriert damit indirekt, warum die frühere Industriestadt zumindest aus Rock/Pop-Sicht gar keine so abwegige Wahl als Kulturhauptstadt ist. Es gibt an diesem Abend gleich mehrere internationale Bands im Luxemburger Südwesten. An verschiedenen Orten. Kein Einzelfall.

Während der Student zum ausverkauften Konzert der Alternative-Metalband Disturbed in die Rockhal fährt, steht in der Kulturfabrik das „Out of the Crowd“-Festival an. Das bringt auch in der 16. Auflage einen spannenden Mix aus mehr oder weniger experimentellem Rock auf die zwei Bühnen. Prominentester Act des Festivals war Built to Spill. Die amerikanische Band um Sänger und Gitarrist Doug Martsch existiert seit über einem Vierteljahrhundert – und der 90er-Alternative-Sound ist allgegenwärtig. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Band ihr komplettes „Keep it like a Secret“-Album von 1999 spielt – und sie das eher routiniert als euphorisiert angeht. Kein übler Auftritt, sicher nicht. Aber die Bands zuvor hatten die Latte richtig hoch gelegt, auch wenn – oder gerade weil – sie musikalisch sehr unterschiedlich verortet sind. Jaye Jayle etwa, ein Quartett aus Kentucky, das sich wohl intensiv mit (deutschem) 70er-Krautrock à la Can und Neu! befasst hat und das eine sehr stimmige Show abliefert. Auch bei Beak>, letzte Band des Abends, finden sich Krautrock-Anleihen.

Deutlich frickeliger, aber trotzdem beseelt, ging es mit dem dänischen Trio Town Portal weiter – perfekt gespielter instrumentaler Math-/Progressive-Rock, der zum Nebenbei-Hören gänzlich ungeeignet wäre. Die Schweizer Band Peter Kernel mit Sängerin Barbara Lehnhoff verbindet 90er-Noiserock mit eingängigen Melodien.

Die Band, der man in absehbarer Zeit den größten Sprung zutrauen kann, ist allerdings The Murder Capital: Die fünf Iren haben bisher zwar gerade mal zwei (sehr gute) Songs veröffentlicht – und sie haben Post-Punk auch nicht neu erfunden. Aber live ist die Band um Bariton James McGovern ein echtes Erlebnis – auch wenn manches noch etwas inszeniert wirkt: Die werden noch groß!

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