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Spatzen, Schnee und Stille Nacht

Spatzen, Schnee und Stille Nacht

Verschneite Dörfer, stille Täler - so sieht sie aus, die vorweihnachtliche Postkartenidylle, die für eine besinnliche Adventszeit sorgt. Die passende Musik dazu liefern die Kastelruther Spatzen. Am Donnerstag waren sie in Trier zu Gast.

Trier. Die Zeiger an der Turmuhr der alten Dorfkirche stehen auf 2 Uhr nachts. Der verschneite Marktplatz ringsum jedoch ist hell erleuchtet und in ein warmes Licht getaucht. Von oben rieselt dazu leise der Schnee. Die Vögelein schweigen im Walde - nur die Spatzen singen ihre Lieder. Denn der klassizistische Kirchturm mit der markanten Zwiebelkuppel steht in der Arena Trier und ist eine stilisierte Nachbildung von St. Peter und Paul in Kastelruth. Und die bekanntesten "Singvögel" der Südtiroler Gemeinde - das sind eben die sieben Männer auf der Bühne: die Kastelruther Spatzen.
Bevor es vor der märchenhaft-winterlichen Kulisse so richtig weihnachtlich wird, stehen aber zunächst frühere große Erfolge wie "Herzschlag für Herzschlag" oder "Eine weiße Rose" sowie Titel der aktuellen CD "Heimat - Deine Lieder", die echte Volkslieder und Cover-Versionen volkstümlicher Schlager vereint, auf dem Programm. Übrigens: Mit diesem Album gelang den Spatzen nach mehr als 30 Jahren in Deutschland erstmals der Sprung an die Spitze der Charts. Die vor drei Jahren aufgekommene Diskussion über Studiomusiker, die statt der Spatzen selbst die Aufnahmen vieler Tonträger eingespielt haben, scheint der Band also nicht geschadet zu haben. Schließlich ist bei den Konzerten - und das war auch nie angezweifelt worden - ohnehin alles live.
Von ihren Fans bekommen sie so viele Geschenke auf die Bühne gebracht, dass der Platz im Tourbus knapp werden könnte, und Sänger Norbert Rier meint:"Da ist Ostern gleich mit dabei!"
Spatzentypisch ist bei den Liedtexten die nur scheinbar heile Welt, in der einerseits stolze Pferde über grüne Wiesen jagen, Bäche plätschern und weiße Birken Schatten spenden - alle Zutaten also zu einem "lieblichen Ort", einem locus amoenus, wie ihn schon antike Dichter beschrieben. Doch allzu oft wird dieser andererseits zum locus terribilis - dem "schrecklichen Ort", denn Abschied und Schmerz, Trauer und Tod mischen sich bei vielen Liedern hinein und sorgen für Besinnlichkeit.
Die gibt es dann auch im zweiten Teil - mit eigenen und traditionellen Weihnachtsliedern, zu denen jetzt am künstlichen Nachthimmel auch die Sterne funkeln. Die Spatzen singen das fröhliche "Jingle Bells", denken aber auch an "Maria und Josef in unserer Zeit" - an vom Schicksal benachteiligte Menschen.
Zum Schluss stehen die 1800 Konzertbesucher auf und stimmen alle in "Stille Nacht, heilige Nacht" ein. Eine fast andächtige Stimmung legt sich über die Arena, bevor es dann wieder hinaus in den nicht ganz so stillen Trie-rer Abend geht. Und auch Schnee rieselt draußen nicht. daj