Kultur: Spiel, Spielsucht und Verlierer

Kultur : Spiel, Spielsucht und Verlierer

Boris C. Motzkis Fassung von Dostojewskis „Der Spieler“ erweist sich als gelungene Aufführung des Theaters Trier von Bildern und Szenen, die oft grotesker nicht sein können.

Passender könnte der Ort nicht sein: Boris C. Motzkis Fassung von Dostojewskis „Der Spieler“ ist im Kasino am Kornmarkt uraufgeführt worden. So verzweifelt Alexej, gespielt von Niklas Maienschein, direkt am Anfang, als er im wahrsten Sinne des Wortes auf die Bühne stürzt. „Wo bin ich?“ und verzweifelt, weil sich der „Loser“ im Kasino befindet. Moskau, Roulettenburg, Wiesbaden, Baden-Baden, Trier: Die Moselstadt ordnet sich in die Reihe der Städte mit ihren Casinos nahtlos ein.

Optisch wird die Aufführung geprägt von einer Leinwand, die zum einen Schattenspiele der drei Akteure, dann aber auch Einblendungen ermöglicht wie von Spielautomaten à la Las Vegas. Diverse Musikeinspielungen unterstützen das Geschehen, das sich auf den gesamten Raum des Kasinos verteilt. Maienschein als Spieler Alexej, Franziska Marie Gramms und Benjamin Schardt in diversen Rollen nutzen Bühne, Bar und Roulettetisch für ihre oftmals skurril und grotesk wirkenden Darstellungen.

Alexej gewinnt erst nicht nur beim Glückspiel Geld, sondern dadurch auch das Herz von Polina, weiß aber nicht so recht, wie er mit der berechnenden und direkten Angebeteten umgehen soll. Der Engländer Astley, die Tante mit Vollbart, andere Spieler, sie alle sind ihm keine richtige Hilfe.

Denn auch, wenn er auf die Zehn setzt und alles gewinnt, genauso schnell, wie Ikarus abstürzt, als er im Höhenflug der Sonne zu nahe kommt, so schnell ist das Geld weg, das die Akteure mit vollen Händen aus einem Koffer nehmen und um sich werfen, und Alexej erneut verzweifelt. So stürzt der Spieler wieder auf die Bühne, dort wo er am Anfang schon danieder lag. Die Spielsucht hat gewonnen.

Boris C. Motzki ist eine Aufführung gelungen, die die 65 Besucher bei der Aufführung in ihren Bann gezogen hat. Nur zu gerne sind sie der rasanten Darstellung der drei Schauspieler gefolgt, die die vielen Charaktere glaubhaft und mit viel Leidenschaft umgesetzt haben.

Weitere Aufführungen: 10.6. (18.30 Uhr), 11.6., 16.6., 18.6., 21.6. und 26.6., jeweils um 19.30 Uhr