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Spielmann, Gaukler, Träumeverkäufer

Spielmann, Gaukler, Träumeverkäufer

Er spricht von kleinen Ereignissen des Lebens, und macht sie zu Botschaften mit großer Bedeutung: Reinhard Mey ist mit seiner Tournee "dann mach\'s gut" in der Arena Trier aufgetreten. Ein Spiel der Emotionen mit lachendem Publikum und nachdenklichen Momenten.

Trier. Langsam bewegt sich ihre Hand zu seiner Hand. Immer wieder streichelt sie leicht über seinen Handrücken. Wenn die Texte ernster werden, schaut ihr Mann leicht gebückt auf den Boden. Wenn es um Liebe geht, liegen sie Arm in Arm. Doch am Schönsten ist das Lachen, das sich das Paar im Publikum schenkt, wenn Reinhard Mey jede Aussage mit ein bisschen Witz, und jeden Spruch mit einer Prise Ironie verkauft.
"Der Saal ist so groß, und ich eher klein. N\'Abend Trier, du wirst gut zu mir sein", begrüßt der Liedermacher die Besucher in der ausverkauften Arena Trier mit einem selbstgedichteten Lied für die Stadt.
Drei Jahre sei er verschollen gewesen, drei Jahre habe er sich auf den Moment gefreut. Selbstverständlich, denn Reinhard Mey geht nur alle drei Jahre auf Tour.
Mit einem Augenzwinkern nimmt er die Politik, die Gesellschaft, aber auch sich selbst auf den Arm. "Reinhard, Reinhard, was soll nur aus dir werden?" heißt es in dem Lied "Spielmann". Ein Text über seinen Beruf, ein Loblied auf das Träumen: "Spielmann bin ich geworden, bin ein Stelzenläufer, Gaukler bin ich, ein Seiltänzer, ein Taugenichts, Vorsänger, Lautenschläger, bin ein Traumverkäufer, Spielmann will ich sein bis zum Tag des Jüngsten Gerichts."
Reinhard Mey schafft es im gleichen Atemzug, das Publikum zu amüsieren und zum Nachdenken anzuregen. Die Themen sind vielfältig: Er übt Kritik an Kirche, Massentierhaltung und Frauenquote. Oft verbunden mit kleinen Anekdoten wie in dem Lied "Gute Kühe kommen in den Himmel". Dort läuft ihm beim Autofahren auf der A7 Kuh Luise über den Weg und erzählt ihm die Leidensgeschichte des "Kuh-Seins": "Du siehst uns auf der ‚Grünen Woche‘ in Berlin geschönt, gepampert, manikürt, geduscht, gelegt, geföhnt. Die Wirklichkeit sieht anders aus, wir stehen ungestriegelt. Und ungewaschen dicht an dicht im Dunkeln eingeriegelt."
So zeigt Reinhard Mey mit dem Finger auf die Schwachstellen des Systems. Meist auf eine lockere Art und Weise.
Aber er singt auch über Familie, Liebe und Freundschaft, vom Schützen seiner Kinder und Alltagsproblemchen. Er spricht von Tiefschlägen und den großen und kleinen Stolpersteinen des Lebens - immer verbunden mit einer guten Portion Hoffnung. Und wenn es mal ganz brenzlig wird, hilft ihm sein alter Wegbegleiter. Ein Freund, der wie er sagt, in Trier aufgewachsen ist: "Wein, Wein Wein, alter Freund Wein. Manchmal brauch ich die Glut der Reben. Einfach, um zu überleben. Manchmal will ich gar nicht tapfer sein", schallt es durch die Arena.
Zum Abschied wählt er die Liedzeilen "Gute Nacht, Freunde, es wird Zeit für mich zu geh‘n. Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Steh‘n." - mit gesanglicher Verstärkung durch 5000 Besucher.
In der lauten Arena schaut sich das Pärchen zufrieden an. Und mit glänzenden Augen und einem Lächeln flüstert die Frau ihrem Mann zum Abschluss etwas ins Ohr.